Sonntag, 12. April 2026

Der digitale Franken: Für wen, womit, und wozu? - Ein Blick auf die wichtigste Finanzinfrastrukturfrage der Schweiz

Was ist ein Stablecoin?

Ein Stablecoin ist eine digitale Währung auf einer Blockchain, die 1:1 an eine reale Währung gebunden ist. Anders als Bitcoin schwankt er nicht im Wert. Was ihn interessant macht, sind nicht Kursphantasien, sondern ein konkretes technisches Versprechen, nämlich fast kostenlose Zahlungen in Sekunden statt Tagen, rund um die Uhr, ohne klassische Banköffnungszeiten, programmierbar via Smart Contracts, und ohne teure Korrespondenzbanken als mutkassierende Mittelsleute.

Die bestehenden CHF-Stablecoins (ZCHF Frankencoin, CHFAU AllUnity) waren bislang ein Randphänomen, mit kürzlich lancierten CHFD Digitalfranken hat der Weg der neuen digitalen Geldsorte in den Finanzmainstream begonnen.

Seit April 2026 testen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und die Waadtländische Kantonalbank gemeinsam mit der Swiss Stablecoin AG eine CHF-Stablecoin-Sandbox auf der Ethereum Blockchain. Vorerst sollen Erfahrungen gesammelt werden, ein Zwischenbericht ist auf den Herbst angesagt.

Was FINMA, SNB und Bundesrat zum CHF-Stablecoin sagen

Die FINMA sorgte lange für Rechtsunsicherheit. 2024 stellte sie dann folgendes klar, CHF-gebundene Token gelten als Publikumseinlagen und erfordern eine Bank- oder Fintech-Lizenz.

Das sind hohe Hürden.

Doch es kam noch schlimmer. Das operative KO-Kriterium für jedes skalierbare Modell ist die Qualifikation des Stablecoin-Haltens durch die FINMA als dauerhafte Geschäftsbeziehung, was vom Emittent des Tokens ein vollständiges Know Your Customer (KYC) Prozedere verlangt, also die Überprüfung aller Wallet-Inhaber. Deshalb operiert die neue Sandbox-Initiative von UBS, Postfinance und anderen bewusst unterhalb der FINMA-Schwelle von einer Million Franken.

Zur Befreiung von diesen Fesseln eröffnete der Bundesrat im Oktober 2025 eine Vernehmlassung zur Revision des Finanzinstitutsgesetz (FINIG), das die Rechtsgrundlage der FINMA-Einschränkungen ist. Frühestens 2027 soll der Gesetzesvorschlag in die Räte kommen.

Das SNB-Direktorium sagte bereis vor Jahren Nein zu einem Franken-Retail-CBDC und hat diesen Entscheid seither mehrfach bestätigt.

Die SNB setzt auf den Wholesale-CBDC, einen CHF-Token für den Interbankenmarkt auf der SIX Digital Exchange, der zurzeit mit dem Projekt Helvetia getestet wird.

Ein SNB-Digitalfranken für das grosse Publikum brächte Kontrollverluste in der Geldpolitik. Und in Zeiten von Krise und Krieg noch grössere unerwünschte Kapitalzuflüsse aus dem Ausland in die Safe-Haven-Währung Franken.

Darüberhinaus bedeuten Stablecoins eine Verminderung der Stellung der Geschäftsbanken im Finanzverkehr, was den Zugang der KMUs zu Krediten zu stören droht.

Solche strukturell bedingen SNB-Bedenken gegen einen machen einen Sinneswandel des Direktoriums wenig wahrscheinlich. Wobei beide von der SNB unerwünschten Elemente, abgeschwächt, auch bei privat emittierten CHF-Stablecoins bestehen bleiben.

Das strukturelle Kernproblem eines CHF-Stablecoins: Der Deckungsanker

US-Dollar-Stablecoins nutzen US-Staatsanleihen als Deckung. Das ist ein hochliquider Markt von über 27 Billionen Dollar. Die Schweiz hat ausstehende Bundesobligationen von lediglich rund 100 Milliarden Franken, viel zu wenig zur Ankerung eines CHF-Stablecoins.

Die 1:1 Bindung von Stablecoins mit SNB-Papiergeldfranken benötigt neben Triple A Papieren wie Bundesobligationen, Kantonsanleihen, Städte- und Gemeindeanleihen sowie Pfandbriefen, auch SNB-Giroguthaben oder SNB-Repo-fähige Sicherheiten.

Das ist geldpolitisch heikel und bringt die Frage nach der monetären Souveränität der Schweiz ins Spiel.

Wer braucht einen CHF-Stablecoin?

Grundsätzlich ist die Nachfrage real, aber kleiner und spezifischer als die begeisterte Aufnahme der Sandbox-Tests der Swiss Stablecoins AG suggeriert.

Dringende Nachfrage besteht bei Krypto-nativen Akteuren, die On-Chain-Settlement in Franken brauchen, ohne Wechselkursrisiko gegenüber USDC eingehen zu müssen. Beispielsweise Institutionelle Investoren, die tokenisierte Schweizer Wertpapiere kaufen, wie sie von der SIX gehandelt werden. Oder exportorientierte Unternehmen mit grenzüberschreitenden Zahlungsströmen, die heute über teure Korrespondenzbanken abgewickelt werden.

Latent vorhandene Nachfrage besteht bei Ausländische Investoren mit CHF-Positionen, die ein liquides, reguliertes, digitales Zahlungsinstrument suchen. Oder auch bei Migranten, die ihre Zahlungsanweisungen in die alte Heimat zu teuren Bankgebühren abwickeln müssen.

Keine Nachfrage haben Schweizer Privathaushalte. Twint funktioniert. SIC funktioniert. E-Banking funktioniert. Ein CHF-Stablecoin löst für den normalen Schweizer im Inland kein spürbares Problem.

Wer verdient an den Stablecoin?

Das Geschäftsmodell eines Stablecoin-Emittenten ist simpel: Franken hereinnehmen, in SNB-Repos oder Staatsanleihen anlegen, Zins behalten. Bei tiefem CHF-Zins ist der Ertrag bescheiden, bei höheren Zinsen schenkt es ein. Das US$ Stablecoin Tether macht mit diesem Modell bei den höheren US-Zinsen mehrere Milliarden Gewinn pro Jahr.

Die Halter von Stablecoin verdienen nichts. Ein regulierter CHF-Stablecoin wird, analog euro-MiCA und US-Genius-Act-Logik keine Zinsen ausschütten. Das ist politisch angreifbar und dürfte die kommende Debatte zur FINIG-Revision prägen.

Für die Banken im Konsortium geht auch um die Infrastrukturhoheit, um Transaktions- Und Depotgebühren. Wer die Abwicklung der tokenisierten Finanzgeschäfte definiert, sichert sich die Erträge der Zukunft.

Darüberhinaus haben die Banken auch ein defensives Motiv. Sie müssen verhindern, dass ein ausländischer Stablecoin ihr Schweizer Zahlungsverkehrsgeschäft unterwandert und die Erträge abführt.

Die digitale Lücke beginnt an der Grenze.

Die Schweiz hat bereits heute einen digitalisierten Binnenzahlungsverkehr. Das Interbankenclearing SIC läuft seit 1987. Twint hat über fünf Millionen aktive Nutzer. Nationale IBAN-Überweisungen kosten wenig.

Eine internationale CHF-Überweisung läuft heute über zwei bis vier Korrespondenzbanken, dauert Tage und kostet Dutzende Franken. Schweizer Exporteure fakturieren oft in Euro oder Dollar, weil CHF-Zahlungen für ausländische Gegenparteien umständlich sind, und tragen damit ein unnötiges strukturelles Währungsrisiko.

Die beste Antwort auf die Frage «Braucht die Schweiz einen CHF-Stablecoin?» lautet deshalb: Im Binnenzahlungsverkehr brauch die Schweiz keinen digitalen Franken im Auslandzahlungsverkehr hingegen schon.

Was das für die FINIG-Revision bedeutet

Der CHF-Stablecoin ist keine Kryptospielerei sondern eine notwendige Ergänzung im digitalisierten Auslandzahlungsverkehr mit professionellen Gegenparteien.

Dort ist der Nutzen unbestritten. Der Stablecoin dient der Verteidigung des Frankens im digitalen Raum zur Selbstbehauptung der Schweizer Aussenwirtschaft.

Ein mit Fokus auf den grenzüberschreitenden institutionellen Zahlungsverkehr konstruierter CHF-Stablecoin ist geeignet, offene Fragen der FINIG-Gesetzgebung zu lösen. KYC beispielsweise, sprich Geldwäschereibekämpfung, müsste nicht bei jedem globalen Walet-Inhaber stattfinden, die Verantwortung läge beim Schweizer Emittenten.

Was die Wahl des Blockchains betrifft, steht eine noch zu schaffende Schweizer Lösung im Vordergrund, allenfalls eine bereits bestehende Infrastruktur wie Ethereum. 

Die Schweiz hat die Institutionen, das Vertrauen, die regulatorische Kompetenz und die Währungsqualität zur Herausgabe eines CHF-Stablecoins mit Fokus auf grenzüberschreitenden Finanzverkehr.

Entsprechend konzipiert, wird der Schweizerfrankentoken zum Instrument zur Verteidigung der monetären Souveränität der Schweiz auf den Weltfinanzmärkten, wo Dollar-Stablecoins bislang das Terrain besetzen, und ein digitaler Renminbi, ein digitaler Euro und andere Stablecoins in Vorbereitung sind.


PS: Dieser Text entstand auf Basis eines geprompteten Dialoges von Gian Trepp mit dem KI-Modell Claude