Dienstag, 30. Juni 2020

Verabschieden sich die USA auch aus der Zentralbanken-Kooperation bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich?

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), auch Bank der Zentralbanken genannt, gibt Gas mit der Digitalisierung des Weltfinanzsystems.

Der vor knapp einem Jahr eröffnete, vom Franzosen Benoît Cœuré präsidierte BIZ-Innovationsknotenpukt in Basel, mit drei Aussenbüros in Zürich, Singapur und Hong Kong, plant in den nächsten zwei Jahren fünf neue Büros in London, Paris, Frankfurt, Toronto und Stockholm.

Diese bei den jeweiligen Zentralbanken angesiedelten Büros verstehen sich als Expertennetzwerk mit der gemeinsamen Aufgabe, zentralbankenrelevante Trends in der Digitalisierung des Banken- und Finanzwesens, sowie dem globalen Zahlungsverkehr zu studieren.

BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens erhofft sich von diesen BIZ-Innohubs wichtige Impulse für die Geldpolitik der Mitgliederbanken und damit zur Stabilisierung der krisenanfälligen Weltfinanz.

In New York ist kein BIZ-Innohub geplant.

Wohl um von der Frage nach der erstaunlichen Abwesenheit der US-Zentralbank bei dieser wichtigen BIZ-Zukunftsinitiative auszuweichen, spricht die heutige BIZ-Pressemitteilung (30.6.20) von einer "strategischen Partnerschaft" mit der Federal Reserve Bank of New York (NYFed).

Allein, die strategische Partnerschaft pflegt die BIZ-Mitgliedsbank  NYFed mit der BIZ bereits seit lamgem.

Wenn sich NYFed heute nicht an den BIZ-Innohubs beteiligt, dürfte das weniger am dortigen Chef John C.Williams liegen, sondern am politiknäheren Board of Governors unter John Powell in Washington D.C.

NYFed ist als grösste der zwölf regionalen Feds an der Wall Street zuständig für die gesamte finanztechnische Umsetzung der vom Board of Governors beschlossenen Geldpolitik, inklusive Kauf und Verkauf von Dollars, der bekanntlich wichtigsten Währung der Welt. 

Bei der NYFed sitzen die Finanztechniker des Dollars, im Board of Governors in Washington sitzen die Finanzpolitiker des Dollars.

Washington für die Politik, New York für die Finanztechnik, das war schon immer so. Als die BIZ  Ende 1929 konzipiert wurde, wollte der isolationistische damalige US-Präsident Warren G. Harding nicht mitmachen. Das passte John P. Morgan, dem damaligen Boss-Banker der Wall Street nicht. Seine Banken hatten in Deutschland riesige Kredite ausstehend und er wollte unbedingt, dass die USA in der neuen internationalen Bank in Basel vertreten war. Gesagt, getan. Morgan überzeugte seinen ehemaligen Angestellten und damaligen Präsidenten der NYFed, Gates W. McGarrah, diesen Job aufzugeben, nach Basel zu ziehen und dort die drei mal besser bezahlte BIZ-Präsidentschaft zu übernehmen. Was dann 1930 auch geschah. (Offiziell ist die NYFed der BIZ erst 1994 beigetreten.)

Make America Great Again. Aus dieser Perspektive ist die währungspolitische Kontrolle des Federal Reserve Systems über die fortschreitende Erosion des Dollars als Welthandels- und Weltreservewährung auch gegen die Interessen anderer Zentralbanken viel wichtiger, als die technische Kooperation des NYFed im Rahmen der BIZ-Innohubs. 

Montag, 4. Mai 2020

Coronakrise: Reden wir mal über das explosive Wachstum der Giroguthaben inländischer Banken bei der Nationalbank

Wie jeden Montagmorgen hat die Nationalbank auch heute Morgen den aktuellen Stand des grössten Passivpostens ihrer Bilanz veröffentlicht, nämlich den Giroguthaben inländischer Banken.

Zahlenmässig beliefen sich diese am 1. Mai 2020 auf 578 Milliarden Franken.

Am 28. Februar 2020 hatte derselbe Bilanzposten erst mit 502 Milliarden Franken zu Buche geschlagen.

Da stellt sich die Frage wie es kommt, dass sich die Nationalbank in den vergangenen zwei Monaten bei den inländischen Banken um 78 zusätzliche Milliarden Franken verschuldet hat?

Die Antwort liegt in der Mechanik der Eurokäufe, welche die Nationalbank zur Abschwächung des verstärkten Aufwertungsdruckes auf den Franken seit Beginn der Coronakrise tätigte.

Diese Euros bezieht die Nationalbank von inländischen Banken auf deren Girokonten sie einen entsprechenden Betrag in Girogeld (Zentralbankengeld) gutschreibt, das sie Kraft ihrer gesetzlichen Befugnis aus dem Nichts schaffen kann.

Die Euros für die Nationalbank kaufen die inländischen Banken bei einer Korrespondenzbank im Euroland, derem Konto sie einen entsprechenden Frankenbetrag gutschreiben.

So sind aus dem Eurokauf der Nationalbank zwei Sorten Geld entstanden.

Zum einen die 78 Milliarden zusätzliche Giroguthaben inländischer Banken, also Zentralbankengeld das ausschliesslich auf den Nationalbank-Girokonten zirkuliert. Und zum anderen 78 Milliarden neues Franken-Kreditgeld (Buchgeld) im allgemeinen Interbankenverkehr.

Nimmt man beispielsweise an, die Nationalbank habe in den vergangenen zwei Monaten bei der UBS 25 Milliarden Euros bezogen, so stiegen die Giroguthaben der UBS bei der Nationalbank um den entsprechenden Betrag in Girogeld. Während die UBS der deutschen, französischen, spanischen etc. Bank, die ihr die Euros lieferte, den entsprechenden Frankenbetrag bei der UBS gutschrieb.

Man darf davon ausgehen, dass die Euroland-Banken ihre wachsenden Frankenbestände nicht auf den Konten inländischer Banken liegen lassen, sondern an der Schweizer Börse und in Schweizer Immobilien investieren.  Und dort Kurse und Preise in die Höhe treiben.

Dienstag, 28. April 2020

Pietro Supino und die Glaubwürdigkeit der Tamedia Italienberichterstattung

Seit fünf Tagen sitzt der italo-schweizer Verleger und TX-Group-Präsident Pietro Supino im Verwaltungsrat des grössten italienischen Printmedienverlegers GEDI Gruppo Editoriale und steckt bereits bis zum Hals im grossen Kampfgetümmel um die Positionierung Post-Corona-Italiens in Europa und auf der Welt.

Zugegeben, ich bin kein Italienspezialist, habe nur gelesen der italo-amerikaner und GEDI-Präsident John Elkann benötige die vor sechs Monaten vom italo-schweizer Carlo De Bendedetti gekauften Medienkanäle zur Installierung von alt-EZB-Präsident Mario Dragi als Premierminister.

Das habe Elkann dem Verkäufer De Benedetti nicht gesagt, der ihm die Zeitungen nur verkaufte, weil seine Söhne, Rodolfo, Marco und Edoardo, denen er 2012 die Kontrolle über GEDI überliess, weder die Fähigkeiten noch die nötige Leidenschaft gezeigt hätten, Verleger zu sein.

Am vergangenen Samstag bezichtigte nun Verkäufer De Benedetti Käufer Elkann das GEDI-Flaggschiff Repubblica mit einem Chefredaktorenwechsel nach Rechts zu drehen. Und kündigte gleichzeitig die Gründung einer Repubblica 2.0 an.

Manche Kommentatoren glauben, ein solches neues De Benedetti Blatt werde sich mit den vereinigten Linken und Cinque-Stelle-Trümmern für Giuseppe Conte als Premierminister stark machen.

Wie auch immer, sicher ist, dass GEDI-VR Supino in den kommenden Konflikten der italienischen Politik jeweils Flagge zeigen muss. Dafür hat ihn Elkann geholt, und dafür gab er sein Bereiratsmandat bei der GEDI-Konkurrenz Corriere della Sera zurück.

Und noch was. Heute hat es der Tages-Anzeiger fertiggebracht, auf ⅔ Zeitungsseiten über den Konflikt zwischen Elkann und De Benedetti zu berichten, ohne Pietro Supinos VR-Amt in Elkanns GEDI-Medienimperium auch nur zu erwähnen.

Freitag, 24. April 2020

Pietro Supinos neuer Job in Italien

Bisher war Pietro Supino bekannt als Verleger und Verwaltungsrats-Präsident der börsenkotierten Zürcher Familienfirma TX Group (Ehemals Tamedia AG).

TX Group ist mit 3700 Beschäftigten der wohl finanzkräftigste Schweizer Medienkonzern. (Tages-Anzeiger, Basler-Zeitung, Berner Zeitung, der Bund, SonntagsZeitung, 24Heures, Le Matin Dimanche, 20 Minuten, 20 minutes,  20 minuti, die Online-Verkaufsplattformen Ricardo, tutti.ch, homegate, u.a.m.)

Der in Mailand geborene italo-schweizerische Doppelbürger Supino ist ein Ururenkel des deutschen TX-Group-Gründervaters Wilhelm Girardet.

Das Erbe seiner Mutter Rena Coninx Supino ermöglichte ihm nach einer Erstkarriere als Finanzanwalt, Offshore-Spezialist und Privatbanker in die Familienfirma einzusteigen,. Zuerst als Verwaltungsrat, ab 2007 als vollamtlicher Präsident.

Die in Deutschland und der Schweiz weitverzweigten Erbenfamilien Girardets und dessen Mitgründers, dem abgesprungenen NZZ-Redaktor Felix Walz, kontrollieren heute etwa 70 Prozent der TX Group Aktien Stimmen.

In den vergangenen Wochen gerieten Supino und die TX Group in die Kritik. Trotz Corona-Krise, hiess es, habe die Gruppe Dividenden an die schweizer und deutschen Familienaktionäre ausbezahlt, und mit der Forderung nach Kurzarbeitsentschädigung gleichzeitig tief in die Schweizer Staatskasse gegriffen.

Supinos neuer Job in Italien

Gestern wählte die italienische Mediengruppe GEDI Gruppo Editoriale Pietro Supino in Rom zum Verwaltungsrat. Mit den Titeln "La Repubblica", "L'Espresso", "La Stampa", u.a.m. ist GEDI der grösste Zeitungsverlag und eine der bedeutensten Meinungsmacherinnen Italiens.

Da stellt sich die Frage, wie der TX Group-Präsident diesen Job in Rom gelandet hat, und ob die TX-Group-Pulizistik davon beeinflusst wird.

Der starke Mann bei GEDI ist John Elkann, ein in den USA geborener Ururenkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli. Elkann präsidiert auch die Autofirmen Fiat-Chrysler, Ferrari sowie die Agnelli-Familienholding Exor.

Exor hat GEDI vor einem halben Jahr von Carlo de Benedetti übernommen.

Im Exor Publizistikportfolio liegt bereits eine Beteiligung am Londoner Magazin "The Economist". Mit 43 Prozent ist die Agnelli-Familie die grösste Anteilseignerin am Economist vor der Rothschild-Familie mit 21 Prozent.

Erwähnenswert ist, dass GEDI-Präsident Elkann und GEDI-Verwaltungsrat Supino beide als Bilderberger bekannt sind, also als Teilnehmer an der halböffentlichen Konferenz der Mächtigen und der Reichen dieser Welt. Bilderberg ist wie das WEF, nur elitärer.

Was ist jetzt von all dem für die TX Group-Publizistik zu erwarten? Kommt es zum italo-helveto-teutoischen Euro-Verbund GEDI-TX-Süddeutsche?

So oder so bleibt es zu hoffen, dass sich Pietro Supino selber zu seinem Engagement bei GEDI äussert.


PS in eigener Sache:
Für diesen Blogpost habe ich erstmals den Wikipedia-Eintrag über Pietro Supino gelesen. Dazu hier soviel:
1. An der Darstellung in meinem Artikel "OFFSHORE-BANKEN Der Fall Moonstone Trust" in der WOZ Nr. 20/2008 vom 15.05.2008 halte ich fest.
2. Leider musste ich feststellen, dass die WOZ diesen Artikel in ihrem elektronischen Archiv später mit einer "Persönlichen Erklärung" Pietro Supinos ergänzt hat. Dies geschah ohne mich zu informieren in einer Weise, dass Durchschnittsleserinnen auf den ersten Blick davon ausgehen müssen, Supinos "Persönliche Erklärung" sei bereits Bestandteil des Origninalartikels gewesen. Doch das war nicht der Fall. Supinos Sprecher richtete mir damals aus, der Chef habe keine Zeit zur Beantwortung meiner Fragen. Von einem Verleger, dessen Publikationen tagtäglich Leute kritisieren, oder gar in die Pfanne hauen, hätte ich das nicht erwartet. Link: https://www.woz.ch/0820/offshore-banken/der-fall-moonstone-trust



Mittwoch, 25. März 2020

Die Nationalbank als universeller Schweizer Gesamtkapitalist - Post-corona Staatskapitalismus Ahoi!

Wirtschaftspolitisch machen Bundesrat und Nationalbank Nägel mit Köpfen.

Heute: Nationalbank-COVID-19-Refinanzierungsfazilität und Deaktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers.

Vor einigen Tagen: Nationalbank gewährt Grossrabatt auf Negativzinsen für die Banken und Ankündigung weiterer Interventionen auf den Devisenmärkten zur Schwächung des Frankens wovon das Bankensystem stark profitiert.

Für Nichtökonominnen: Will heissen, im Schweizer Landesinteresse mobilisiert die Nationalbank ihre 800 Milliarden Devisenreserven. Recht so, diese Reserven sind Schweizer Volksvermögen.

Mit dem vielen Geld geben geben Bundesrat, Kantone und Gemeinden gleichzeitig Gas mit Bürgschaften zur Rettung der Schweizer Volkswirtschaft mit zinsfreien Krediten.

Staatliche Kreditlenkung ist ein konstitutiver Bestandteil des Staatskapitalismus.

Damit ist vorerst fertig lustig mit dem anglo-amerikanischem Finanzkapitalismus neoliberaler Prägung, dem die Schweiz seit Beginn der 1980er Jahre huldigt - rein finanziell, man muss es sagen, erfolgreich.

Wer es noch nicht wusste, oder auch nach dem Finanzcrash 2008 nicht wissen wollte weiss es heute, zum nationalen Krisenmanagement im Ausnahmezustand taugt dieses globalisierte System gar nichts.

Bundesrat, Verwaltung und Nationalbank haben übernommen. Während sich die Bundesvesammlung und die Kantonalen Parlamente selber freiwillig aus dem Spiel genommen haben. Jämmerlich! Nur der Kanton Tessin hat die Ehre des Schweizer Parlamentarismus und Föderalismus gerettet.

Auch alle Parteien sind dabei, SP, Grüne und Alternative inklusive. Nationalrätinnen wie Cédric Wermuth, Tamara Funicello oder Balthasar Glättli, deren Aufstieg in linksgrünfeministischen Basisbewegungen begann, hängten die Schweizerfahne raus. Während sich die SP-Frau Jacqueline Badran vorbildlich für die krisengeschädigten Kleinunternehmerinnen ins Zeug legt.

Der einzig noch verbliebene Nestbeschmutzer weit und breit ist der Schriftsteller Lukas Bärfuss mit seinem Anti-Schweiz-Schmähreden in der deutschen Presse.

Gleichzeitig stehen die globalisierte Grosskonzerne mit historischen Schweizer Wurzeln im Abseits. Die wirtschaftspolitischen Rezepte von Roche, Nestle, Novartis UBS, Credit Suisse, ABB und wie sie alle heissen, die die neoliberale Denkfabrik Avenir Suisse finanzieren, sind ausser Kraft gesetzt, obwohl die Gewährsleute dieser Fraktion im SECO und andernorts in der Verwaltung den Ton angeben.

Auch medial hat die Stunde des Patriotismus geschlagen. Die libero-liberalen Euroturbos sind verstummt, während der neoliberal-konservative NZZ-Chefredaktor Eric Gujer mit Hirn, Herz und Schreibhand in Deutschland mitfiebert.

Ob sich der Schweizer Krisen-Staatskapitalismus nach der Corona-Pandemie verfestigt ist meines Erachtens nicht ausgeschlossen, dürfte von der Entwicklung in Weltwirtschaft, Welthandel und Weltfinanz insgesamt abhängen.

Freitag, 7. Februar 2020

Die NZZ hat Thiam erschossen - Der Kampf um die Credit Suisse geht weiter

Bis zum vergangenen 17. Dezember galt die Affäre Iqbal Khan als bedauerlicher Einzelfall.

Die Überwachungsaktion der Credit Suisse (CS) gegen ihren einstigen Spitzenmanager Iqbal Khan wurde untersucht, CS-CEO Tidjane Thiam habe nichts davon gewusst, sagte das mit der Untersuchung beauftragten Anwaltsbüro, ein Sündenbock wurde entlassen und CS-Präsident Urs Rohner stellte sich hinter Thiam.

Dann gab die NZZ mit einer dreiteiligen Serie über einen weiteren CS-Observationsfall Thiam zum Abschuss frei.

Das Halali konnte beginnen. Den Vogel abgeschossen hat Sonntagszeitungs-Chefredaktor Arthur Rutishauser mit nebulösen Vorwürfen, die CS habe Greenpeace infiltriert. Als Reaktion auf Rutishausers Artikel warf die linke Wochenzeitung WOZ die Frage auf, ob diese "Geschichte einer weiteren Intrige in der CS-Soap, mit dem Ziel (entspringt), den angeschlagenen Bankchef Tidjane Thiam aus dem Amt zu drängen."

Sorry WOZ, aber der Begriff "CS-Soap" ist voll daneben.

Der Kampf um die Führung in der CS ist keine Soap Opera. Es ist ein Kampf zwischen deutschen und französischen Finanzinteressen. Es geht um die Führung der zweitgrössten Bank des Franken-Währungsraumens in den Positionskämpfen der Finanzplätze London, Frankfurt und Paris in der Eurokrise nach dem Brexit.

Der grösste CS-Aktionär BCPE ist französisch. Zwischen BCPE und dem französischen Bankensystem insgesamt besteht traditionell eine Drehtürsituation. Der Franco-Ivorier Thiam und andere in der CS kommen aus dieser Umgebung. Die Exponenten des französischen Grossaktionärs haben sich stets für das Verbleiben von Thiam stark gemacht. Dazu kommt, dass der Katar-Staatsfonds als zweitgrösster CS-Aktionär über die Katar-Aussenpolitik geopolitisch eng mit Frankreich verbunden ist.

Der Deutschland-Bezug der CS ist weniger offensichtlich. Deutsche CS-Grossaktionäre gibt es keine, prominente Deutsche im Top-Management wie bei der UBS auch nicht. Geopolitisch ist Angela Merkel im Vergleich zu Emmanuel Macron ein Leichtgewicht.

Der wichtigste Hinweis auf die deutschen Interessen an der CS ist die gegenläufige Interessenlage des französischen und des deutschen Finanz- und Bankensystems im Euroland. Die ersteren sind Schuldner, die zweiteren sind Gläubiger - die entscheidende Differenz wenn der Euro crasht.

Wenn die deutsch fixierte Gujer-NZZ den frankophilen Tidjane Thiam abschoss, meine ich, tat sie das in Stellvertretung deutscher Gläubigerinteressen an einer Kontrolle der CS.

Ob die Identifikation mit den Finanzinteressen des grossen Kantons im Führungskampf bei der CS allerdings auch im Interesse des Finanzplatzes Schweiz liegt, steht auf einem anderen Blatt.

Ich meine nein. Die Zukunft dieser Finanzdrehscheibe liegt im Ausgleich und der Vermittlung. Dazu sind französisch gesteuerte Banken ebenso nötig, wie deutsch, amerikanisch, chinesisch oder russisch gesteuerte.

Im übrigen gilt, Thiams Rücktritt hat den Kampf um die Kontrolle der CS noch nicht entschieden.

Mittwoch, 5. Februar 2020

Frankreich kämpft um die Kontrolle der Credit Suisse

Der grösste Aktionär der Credit Suisse (CS) ist die französische Bankengruppe BPCE.

BPCE ist die 2009 gegründete Holding der französischen Volks- und Genossenschaftsbanken und zweitgrösste Bankengruppe des Landes.

Die führende Rolle beim Aufbau der BPCE spielte François Pérol, Inspecteur des Finances im Finanzministerium, Bürochef der französischen Industrie- und Finanzminister Francis Mer (2002-2004) und Nicolas Sarkozy (2004), 2007 avancierte er zum Wirtschaftsberater von Präsident Sarkozy, von 2009-2018 leitete er die BPCE.

Seit Napoléon im Jahr 1800 die Banque de France gründete, hat die offene Türe zwischen Staat und Banken in Frankreich Tradition. Bevor er in die Politik wechselte, war Präsident Emmanuel Macron bekanntlich Investment Banker bei der Rothschild Bank.

Für die geopolitischen Interessen Frankreichs ist die Kontrolle der zweitgrössten Bank des Franken-Währungsraumes von Bedeutung bei der anstehenden Post-Brexit-Positionierung der Eurofinanzplätze London, Frankfurt und Paris.

Die übrigen CS-Grossaktionäre scheinen anhand ihres Verhaltens in den letzten Monaten mit dem französischen Bestreben einverstanden und überlassen der BPCE bei der CS den Lead.

Allen voran der Staatsfonds des geopolitisch mit Frankreich verbündeten Katar, wo Macron Waffen liefert und Emir Tamim bin Hamad Al Thani gegen Saudi Arabien stützt.

Auf diesem Hintergrund dürfte sich der umstrittene CS-CEO Tidjane Thiam vorerst halten können.

Umso mehr, als CS-Präsident Urs Rohner keinen CS-Grossaktionär mehr hinter sich hat. Die amerikanischen Grossaktionäre die den Wirtschaftsanwalt Rohner 2004 von der deutschen Mediengruppe ProSiebenSat.1 Media AG in die CS-Geschäftsleitung holten, haben sich längst vom Paradeplatz verabschiedet.