Sonntag, 12. April 2026

Der digitale Franken: Für wen, womit, und wozu? - Ein Blick auf die wichtigste Finanzinfrastrukturfrage der Schweiz

Was ist ein Stablecoin?

Ein Stablecoin ist eine digitale Währung auf einer Blockchain, die 1:1 an eine reale Währung gebunden ist. Anders als Bitcoin schwankt er nicht im Wert. Was ihn interessant macht, sind nicht Kursphantasien, sondern ein konkretes technisches Versprechen, nämlich fast kostenlose Zahlungen in Sekunden statt Tagen, rund um die Uhr, ohne klassische Banköffnungszeiten, programmierbar via Smart Contracts, und ohne teure Korrespondenzbanken als mutkassierende Mittelsleute.

Die bestehenden CHF-Stablecoins (ZCHF (Frankencoin, CHFAU AllUnity) waren bislang ein Randphänomen, mit kürzlich lancierten CHFD Digitalfranken hat der Weg der neuen digitalen Geldsorte in den Finanzmainstream begonnen.

Seit April 2026 testen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und die Waadtländische Kantonalbank gemeinsam mit der Swiss Stablecoin AG eine CHF-Stablecoin-Sandbox auf Ethereum. Vorerst sollen Erfahrungen gesammelt werden, ein Zwischenbericht ist auf den Herbst angesagt.

Was FINMA, SNB und Bundesrat zum CHF-Stablecoin sagen

Die FINMA sorgte lange für Rechtsunsicherheit. 2024 stellte sie dann folgendes klar, CHF-gebundene Token gelten als Publikumseinlagen und erfordern eine Bank- oder Fintech-Lizenz.

Das sind hohe Hürden.

Doch es kam noch schlimmer. Das operative KO-Kriterium für jedes skalierbare Modell ist die Qualifikation des Stablecoin-Haltens durch die FINMA als dauerhafte Geschäftsbeziehung, was vom Emittent des Tokens ein vollständiges Know Your Customer (KYC) Prozedere verlangt, also die Überprüfung aller Wallet-Inhaber. Deshalb operiert die neue Sandbox-Initiative von UBS, Postfinance und anderen bewusst unterhalb der FINMA-Schwelle von einer Million Franken.

Zur Befreiung von diesen Fesseln eröffnete der Bundesrat im Oktober 2025 eine Vernehmlassung zur Revision des Finanzinstitutsgesetz (FINIG), das die Rechtsgrundlage der FINMA-Einschränkungen ist. Frühestens 2027 soll der Gesetzesvorschlag in die Räte kommen.

Das SNB-Direktorium sagte bereis vor Jahren Nein zu einem Franken-Retail-CBDC und hat diesen Entscheid seither mehrfach bestätigt.

Die SNB setzt auf den Wholesale-CBDC, einen CHF-Token für den Interbankenmarkt auf der SIX Digital Exchange, der zurzeit mit dem Projekt Helvetia getestet wird.

Ein SNB-Digitalfranken für das grosse Publikum brächte Kontrollverluste in der Geldpolitik. Und in Zeiten von Krise und Krieg noch grössere unerwünschte Kapitalzuflüsse aus dem Ausland in die Safe-Haven-Währung Franken.

Darüberhinaus bedeuten Stableconis eine Verminderung der Stellung der Geschäftsbanken im Finanzverkehr, was den Zugang der KMUs zu Krediten zu stören droht.

Solche strukturell bedingen SNB-Bedenken gegen einen machen einen Sinneswandel des Direktoriums wenig wahrscheinlich. Wobei beide von der SNB unerwünschten Elemente, abgeschwächt, auch bei privat emittierten CHF-Stablecoins bestehen bleiben.

Das strukturelle Kernproblem eines CHF-Stablecoins: Der Deckungsanker

US-Dollar-Stablecoins nutzen US-Staatsanleihen als Deckung. Das ist ein hochliquider Markt von über 27 Billionen Dollar. Die Schweiz hat ausstehende Bundesobligationen von lediglich rund 100 Milliarden Franken, viel zu wenig zur Ankerung eines CHF-Stablecoins.

Die 1:1 Bindung von Stablecoins mit SNB-Papiergeldfranken benötigt neben Triple A Papieren wie Bundesobligationen, Kantonsanleihen, Städte- und Gemeindeanleihen sowie Pfandbriefen, auch SNB-Giroguthaben oder SNB-Repo-fähige Sicherheiten.

Das ist geldpolitisch heikel und bringt die Frage nach der monetären Souveränität der Schweiz ins Spiel.

Wer braucht einen CHF-Stablecoin?

Grundsätzlich ist die Nachfrage real, aber kleiner und spezifischer als die begeisterte Aufnahme der Sandbox-Tests der Swiss Stablecoins AG suggeriert.

Dringende Nachfrage besteht bei Krypto-nativen Akteuren, die On-Chain-Settlement in Franken brauchen, ohne Wechselkursrisiko gegenüber USDC eingehen zu müssen. Beispielsweise Institutionelle Investoren, die tokenisierte Schweizer Wertpapiere kaufen, wie sie von der SIX gehandelt werden. Oder exportorientierte Unternehmen mit grenzüberschreitenden Zahlungsströmen, die heute über teure Korrespondenzbanken abgewickelt werden.

Latent vorhandene Nachfrage besteht bei Ausländische Investoren mit CHF-Positionen, die ein liquides, reguliertes, digitales Zahlungsinstrument suchen. Oder auch bei Migranten, die ihre Zahlungsanweisungen in die alte Heimat zu teuren Bankgebühren abwickeln müssen.

Keine Nachfrage haben Schweizer Privathaushalte. Twint funktioniert. SIC funktioniert. E-Banking funktioniert. Ein CHF-Stablecoin löst für den normalen Schweizer im Inland kein spürbares Problem.

Wer verdient an den Stablecoin?

Das Geschäftsmodell eines Stablecoin-Emittenten ist simpel: Franken hereinnehmen, in SNB-Repos oder Staatsanleihen anlegen, Zins behalten. Bei tiefem CHF-Zins ist der Ertrag bescheiden, bei höheren Zinsen schenkt es ein. Das US$ Stablecoin Tether macht mit diesem Modell bei den höheren US-Zinsen mehrere Milliarden Gewinn pro Jahr.

Die Halter von Stablecoin verdienen nichts. Ein regulierter CHF-Stablecoin wird, analog euro-MiCA und US-Genius-Act-Logik keine Zinsen ausschütten. Das ist politisch angreifbar und dürfte die kommende Debatte zur FINIG-Revision prägen.

Für die Banken im Konsortium geht auch um die Infrastrukturhoheit, um Transaktions- Und Depotgebühren. Wer die Abwicklung der tokenisierten Finanzgeschäfte definiert, sichert sich die Erträge der Zukunft.

Darüberhinaus haben die Banken auch ein defensives Motiv. Sie müssen verhindern, dass ein ausländischer Stablecoin ihr Schweizer Zahlungsverkehrsgeschäft unterwandert und die Erträge abführt.

Die digitale Lücke beginnt an der Grenze.

Die Schweiz hat bereits heute einen digitalisierten Binnenzahlungsverkehr. Das Interbankenclearing SIC läuft seit 1987. Twint hat über fünf Millionen aktive Nutzer. Nationale IBAN-Überweisungen kosten wenig.

Eine internationale CHF-Überweisung läuft heute über zwei bis vier Korrespondenzbanken, dauert Tage und kostet Dutzende Franken. Schweizer Exporteure fakturieren oft in Euro oder Dollar, weil CHF-Zahlungen für ausländische Gegenparteien umständlich sind, und tragen damit ein unnötiges strukturelles Währungsrisiko.

Die beste Antwort auf die Frage «Braucht die Schweiz einen CHF-Stablecoin?» lautet deshalb: Im Binnenzahlungsverkehr brauch die Schweiz keinen digitalen Franken im Auslandzahlungsverkehr hingegen schon.

Was das für die FINIG-Revision bedeutet

Der CHF-Stablecoin ist keine Kryptospielerei sondern eine notwendige Ergänzung im digitalisierten Auslandzahlungsverkehr mit professionellen Gegenparteien.

Dort ist der Nutzen unbestritten. Der Stablecoin dient der Verteidigung des Frankens im digitalen Raum zur Selbstbehauptung der Schweizer Aussenwirtschaft.

Ein mit Fokus auf den grenzüberschreitenden institutionellen Zahlungsverkehr konstruierter CHF-Stablecoin ist geeignet, offene Fragen der FINIG-Gesetzgebung zu lösen. KYC beispielsweise, sprich Geldwäschereibekämpfung, müsste nicht bei jedem globalen Walet-Inhaber stattfinden, die Verantwortung läge beim Schweizer Emittenten.

Was die Wahl des Blockchains betrifft, steht eine noch zu schaffende Schweizer Lösung im Vordergrund, allenfalls eine bereits bestehende Infrastruktur wie Ethereum. 

Die Schweiz hat die Institutionen, das Vertrauen, die regulatorische Kompetenz und die Währungsqualität zur Herausgabe eines CHF-Stablecoins mit Fokus auf grenzüberschreitenden Finanzverkehr.

Entsprechend konzipiert, wird der Schweizerfrankentoken zum Instrument zur Verteidigung der monetären Souveränität der Schweiz auf den Weltfinanzmärkten, wo Dollar-Stablecoins bislang das Terrain besetzen, und ein digitaler Renminbi, ein digitaler Euro und andere Stablecoins in Vorbereitung sind.


PS: Dieser Text entstand auf Basis eines geprompteten Dialoges von Gian Trepp mit dem KI-Modell Claude



Donnerstag, 29. Januar 2026

Tether rollt Finanzplatz Schweiz vom Tessin her auf

Heute (29.1) im Blick:

Tether kauft riesige Mengen des gelben Edelmetalls, jede Woche soll eine Tonne dazukommen. Damit will CEO Paolo Ardoino das Unternehmen zu einer Gold-Zentralbank machen. Sein Gold-Versteck in der Schweiz bezeichnet er als das «sicherste der Welt.


Diese Blick-Meldung ist ein weiterer Hinweis auf die wachsende Bedeutung der Firma Tether auf dem Finanzplatz Schweiz.


Tether ist die grösste Emittentin von US-Dollar-Stablecoins.


Laut Krypto-Marktdaten zirkulieren zurzeit etwa 186 Milliarden US-Dollar-Tether-Stablecions (USDT), die jedoch mit der US-Stablecoin-Gesetzgebung (Genius Act) nicht kompatibel sind.

Seit Anfang dieser Woche ist neben dem USDT ein zweiter Tether-Dollar-Token im Umlauf, der mit dem Genius Act kompatible Stablecoin USAT.

Emittiert von einem Joint-Venture von Tether mit Cantor Fitzgerald, der vom Sohn des US-amerikanischen Handelsministers Howard Lutnick geleiteten US-Finanzfirma, dem Mann der lieber Insekten isst, als den lausigen Food der Davoser Köche am WEF.

Der Firmenname Tether kommt vom englischen Verb to tether = anbinden, festmachen und weist auf die Finanzinnovation des vor über zehn Jahren von Tether eingekauften kalifornischen Startups hin, einen digitaler Token an den Wert einer Papiergeldwährung (Englisch fiat money) zu binden.

Der italienische Arzt Giancarlo Devasini, er gründete 2012 die Bitcoin Firma bitfinex, erkannte 2014 das Potential der Koppelung Digitaltoken-Fiatmoney, welche die enormen und erratischen kurzfristigen Wertschwankungen von Bitcoin zum Verschwinden bringt, was den systematischen Einsatz digitaler Token im Zahlungsverkehr erst ermöglicht.

Später stellte Devasini den Italo-Bitcoin-Crack Paolo Ardoino ein, und machte ihn zum Teilhaber.

Seither ist der Einsatz von USDT explodiert, vor allem im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr von Entwicklungsländern, weil unverhältnismässig viel preisgünstiger als Zahlungen über das globale Bankensystem.

Das Cantor-Fitzgerald-Joint-Venture positioniert Tether im Zentrum der von Trump in die Wege geleiteten Digitalisierung des US-amerikanischen Geldsystems, dessen erste Phase die privat emittierten Dollar-Stablecoins sind.

Nächste Phase ist die Ernennung des neuen Fed-Präsidenten, der die Wirkungen der Stablecoins in die Geldpolitik integrieren muss.

Stableconis als neue, auf dem gesetzlichen Hintergrund des Genius Act privat geschöpfte Transaktions-Geldsorte mit gesetzlichem Zinsverbot, ermöglicht den Zahlungsverkehr zwischen persönlichem Apps, die vom Appstore geladen werden, ohne dass ein Bankkonto nötig ist.

Gleich wie Bitcoin, nur ohne kurzfristige Wertschwankungen.

PS: Da wäre noch was, meines Erachtens planen Devasini und Ardoino einen CHF-Stablecoin, wie ich bereits hier geschrieben habe.

Sollten sie damit erfolgreich sein, dürfte Milliardär Devasini auf der Liste der Reichsten Italiener vom Platz 3 auf Platz 1 springen, und Ardoino von Platz 5 auf Platz 2 - Auf Kosten der Nationalbank, sprich von uns allen.

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Due miliardari italiani delle criptovalute minacciano di fregarci la Svizzera

Cari ticinesi,

il Plan B Forum Lugano 2025 è stato un successo strepitoso. 

Tra i partecipanti figuravano l'ambasciatrice di El Salvador negli Stati Uniti, Brandon Lutnick, figlio del ministro del Commercio statunitense, e David Marcus, ex responsabile del fallito progetto di Meta di creare la valuta privata mondiale Libra.

Ma non montiamoci la testa.

Il piano orchestrato da Paolo Ardoino di clonare il Plan B Forum Lugano il prossimo gennaio a San Salvador è sicuramente una buona idea per lui e il suo partner Giancarlo Devasini, ma non per la città di Lugano, il Ticino e la Svizzera. 

I due miliardari italiani delle criptovalute minacciano di fregarci noi tutti.

Con Tether, Ardoino e Devasini controllano già il più grande token stablecoin in dollari statunitensi attualmente esistente.

Ora vogliono emettere anche uno stablecoin in franchi svizzeri.

Una moneta digitale mondiale basata sul franco forte.

La futura stablecoin in CHF ha il potenziale per diventare un mezzo di pagamento rapido ed economico (di nicchia) nel futuro sistema monetario mondiale multilaterale, non più dominato dal dollaro.

Se Ardoino e Devasini, insieme ai loro amici negli Stati Uniti e in El Salvador, riusciranno nel loro intento, miliardi di franchi finiranno nelle loro tasche.

Questo deve essere impedito.

Il cosiddetto signoraggio, il profitto derivante dalla produzione di denaro, deve rimanere interamente alla Banca nazionale. 

Ciò di cui la Svizzera ha bisogno è un sistema simile a quello descritto da  Hyung Song Shin nel rapporto annuale 2025 della Banca dei regolamenti internazionali (BRI).

Shin raccomanda come base del sistema monetario e finanziario mondiale di prossima generazione un registro unificato, un libro mastro uniforme di tutte le transazioni basato sulla tecnologia blockchain.

In questo registro unificato, la moneta della banca centrale e la moneta scritturale del sistema bancario sono integrate sulla stessa piattaforma. 

Secondo Shin, la tokenizzazione della moneta della banca centrale, della moneta scritturale del sistema bancario e dei titoli di Stato su un registro unificato consente di preservare il sistema monetario statale (moneta cartacea della banca centrale) nell'era della moneta digitale.

In questo modello, le stablecoin in CHF emesse da privati sono regolamentati dalla legge e svolgono solo un ruolo secondario.

Post scriptum:

Il franco e la piazza finanziaria svizzera avranno un futuro solo se ritroveremo la neutralità che purtroppo il nostro attuale ministro degli esteri Ignazio Cassis e la maggioranza del Consiglio federale hanno in gran parte abbandonato.

Se il Consiglio federale dovesse approvare il sequestro delle riserve della Banca centrale russa congelate presso Euroclear e Clearstream, la piazza finanziaria svizzera sarebbe destinata a scomparire.

Tradotto con DeepL.com (versione gratuita)

Freitag, 3. Oktober 2025

Die Schweiz braucht ein CHF-Stablecoin-Gesetz das verhindert, dass Milliardäre auf Kosten der Volkswirtschaft den grossen Reibach machen

Barbaren vor dem Tor, der Fall RJR Nabisco, so lautete der Titel eines 1989 erschienenen Buches über die damals neue Methode des leveraged buyout der Wall-Street-Banker. Also alte Grossunternehmen mit stillen Reserven wie RJR Nabisco fremdfinanziert zu übernehmen (Englisch leveraged buyout), aufzutrennen, und einzeln wieder abzustossen (asset stripping), alles ohne Rücksicht auf verlorene Arbeitsplätze und zerstörtes industrielles Know-How.

Solche leveraged buyouts befeuerten die Desindustrialisierung der USA und wurden zu Geburtshelferinnen der heutigen umregulierten Finanzgiganten, auch Schattenbanken genannt.

Was gestern das leveraged buyout für die USA, ist heute der CHF-Stablecoin für die Schweiz.

US-Milliardärsclans, wie die mit dem Trump-Miliardärsclan verbundene Lutnick-Familie stehen bereit, mit CHF-Stablecoins den grossen Reibach zu machen.

Brandon Lutnick, der Sohn von US-Handelsminister Howard Lutnick, der unlängst Bundespräsidentin Karin Keller-Suter beleidigte, ist Stargast am kommenden Plan B Forum in Lugano.

Darauf ist Lega-Politiker Michele Foletti stolz, seit 2021 Stadtpräsident von Lugano und ebenfalls Plan-B-Stargast.

Attenzione, non svendete il Paese, signor sindaco, möchte man Foletti zurufen. Der Plan B könnte zum Finanz-Marignano werden.

Die Lutnicks und die mit ihnen geschäftlich verbundenen Italo-Milliardäre Paolo Ardoino und Giancarlo Devasini kontrollieren mit Tether den grössten $Stablecoin, sie stehen in den Startlöchern von Lugano aus einem CHF-Stablecoin zu emittieren.

Der Schweizer Franken ist seit hundert Jahren eine Hartwährung. 

Gemäss neusten Zahlen hat der Franken an einem durchschnittlichen Handelstag nach $Dollar, Euro, Yen und Yuan einen Anteil von 6.4 Prozent am weltweiten Devisenumsatz.

Wer ein Teil dieses Umsatzes via CHF-Stablecoin digitalisiert, kann fett Kasse machen. Und die SNB-Geldpolitik stören obendrein.

Das muss der Schweizer Gesetzgeber verhindern: Wir brauchen ein Stablecoin-Gesetz. das die Lutnicks, Devasinis und Ardoinos stoppt.

Mittwoch, 24. September 2025

Kartelle statt Märkte, Milliardärskumpanei statt Wettbewerb: Der Trump'sche Neokorporatismus marschiert

Freie Märkte sind das Fundament der neoliberalen Wirtschaftstheorie, die das Wirtschaftsleben im Anglo-amerikanisch dominierten Westblock bislang inspirierte.

Doch die rasch wachsende US-amerikanische KI- und Chipsindustrie strukturiert sich zunehmend als ein einziges gigantisches Kartell, geführt von jenen Milliardären, die vor 9 Monaten bei der Amtseinsetzung mit US-Präsident Donald Trump feierten.

Nvidia saniert Intel und beteiligt sich daran, OpenAI und Oracle rücken zusammen und bauen gemeinsam mit Nvidia und Intel Chips bestückte Datenzentren. Ongonig story.

Eine wirtschaftshistorische Analogie zu diesem Prozess ist die Entstehung des deutschen IG-Farbenkonzerns vor hundert Jahren. Dieser wurde 1925 gegründet, nachdem die Chefs der damals weltweit führenden deutschen Chemiezonzerne BASF, Bayer, Höchst und einige kleinere Firmen zum Schluss kamen, ihre teilweise konkurrenzlosen, patentgeschützten Produktinnovationen seien am profitabelsten gemeinsam zu verkaufen. 

Anders als der nach seiner Niederlage im Ersten Weltkrieg stark geschwächte deutsche Staat bei IG-Farben, beteiligt sich heute das US-Finanzministerium kapitalmässig an Intel, und durch Regulation faktisch auch an Nvidia.

Die Perspektive einer kartellierten Public-Private-Partnership in der US-KI-Industrie passt perfekt zur Privatisierung der neuen Digitalgeldsorte US$-Stablecoins, welche die USA kürzlich per Gesetz festgeschrieben haben.

Dieses Gesetz ermöglicht es der Trump-Familie, sowie Lutnick, Bessent, Sacks und anderen hohe Exponenten seiner Administration, neben den Finanzumilliardären legal auf eigene Rechnung im neuen Geschäftsbereich Privates Digitalgeld zu  investieren.

Man kann es nicht anders sagen, der Trump'sche Neokorporatismus marschiert.

Unter dem Banner Make America Great Again arbeitet die Trump-Administration an einer Interessengemeinschaft mit den KI- und Digitgalgeld-Milliardären. An einem neuen US-amerikanischen Wirtschaftssystem, dessen Name erst noch gefunden werden muss.

Gestoppt werden kann diese Entwicklung nach heutiger Wahrscheinlichkeit nicht.

Die Anglo-amerikanische Globalisierung neoliberaler Prägung, die Weltwirtschaft, Weltfinanz und Welthandel seit 1990 prägt, ist Geschichte geworden.


Sonntag, 21. September 2025

Braucht die Schweiz CHF-Stablecoins, und wenn ja, wer soll die Token emittieren?

CHF-Stablecoins sind von privaten Emittenten geschaffene digitale Darstellungen (Englisch Token) des Frankens, deren Transaktionen auf einer Blockchain dokumentiert werden.

Solche private Digitalgeld-Token können auf programmierbaren Plattformen zur direkten, sofortigen Bezahlung verwendet werden, ohne dass ein Bankkonto benötigt wird.

Stable (Deutsch stabil) heissen sie, weil ein Emittent von Stablecoins für jeden ausgegebenen Token einen Franken in Wertpapieren hinterlegen muss.

Aktuell sind vier CHF-Stablecoins erkennbar.

DCHF von Sygnum Bank, Zürich. XCHF von Bitcoin Suisse, Zug. VCHF von VNX Commodities, Vaduz. Und CCHF von Centi, Zürich.

Alles kleine Fische mit begrenzter Liquidität und beschränktem Bekanntschaftgsgrad. FINMA-reguliert und sicher gedeckt sind nur die DCHF von der führenden Schweizer Krypto-Bank Sygnum.

Doch das Potential dieser Token ist enorm, von der Abwicklung des Börsenhandels bis zum nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr.

Der Wertübertrag von Sender zum Empfänger erfolgt auf der App des Stablecoin-Emittenten in Echtzeit ohne Transaktionskosten. 

Wenn das funktioniert werden sowohl die Banken auf ihren Kontokorrentkonti, als auch Kartenherausgeber wie Visa und Mastercard den Grossteil ihres heutigen Zahlungsverkehrs verlieren, neue Player werden sie in diesem Business ersetzen.

Bevor es soweit ist, müssen allerdings zuerst die gesetzlichen Grundlagen für CHF-Stablecoins geschaffen werden. Und es müssen solide Emittenten vorhandensein, die genügend Token schaffen, damit die nötige Liquidität garantiert ist. Was heute alles noch nicht vorhanden ist.

SNB plant keine CHF-Stablecoins

Die SNB positioniert sich, anders als viele andere Zentralbanken wie die PBoC oder die EZB deutlich gegen die Herausgabe eines SNB-CHF-Stablecoins.

Das Direktorium will das Schweizer Finanzsystem anders tokenisieren. Angestrebt wird ein System im Stile der Ausführungen von  Hyung Song Shin, dem volkswirtschaftlichen Berater und Leiter der BIZ-Währungs- und Wirtschaftsabteilung im Jahresbericht 2025 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Als Basis des Weltwährungs- und Finanzsystems der nächsten Generation empfiehlt Song Shin dort einen tokenisierten Unified Ledger auf Basis von Blockchaintechnologie.

Die Tokenisierung von Einlagen und Zentralbankgeld bedeutet, dass sowohl das primäre Zahlungsmittel als auch die Abrechnung auf Grundlage von Zentralbankgeld nahtlos auf derselben programmierbaren Plattform integriert werden können. Die Tokenisierung hat das Potenzial, die Wertpapiermärkte zu transformieren, und ihre Anwendung im Korrespondenzbankengeschäft ist besonders vielversprechend.

Ein einheitliches Journal-Hauptbuch aller Transaktionen in der kommenden "Trilogie" aus tokenisierten Zentralbankreserventokenisiertem Geschäftsbankengeld und tokenisierten Staatsanleihen. Damit bleiben laut Shin die Kernelemente eines staatlichen (Papiergeld)Währungssystems erhalten, das auf dem Vertrauen in das Zentralbankgeld basiert.

Privat emittierte Stablecoins spielen in diesem Modell eine untergeordnete Rolle m Rande, auch wenn sie staatlich reguliert sind.

Untergeordnet, weil diese Token laut Shin die drei unabdingbaren Erfordernisse an ein Zahlungsmittel nur unzureichend erfüllt: nämlich Homogenität, Elastizität und Integrität.

Homogen sind Stablecoins nicht, weil die verschiedenen Emittenten unterschiedlich vertrauenserweckend sind. Will heissen, jemand akzeptiert DCHF-Token von Sygnum Banklehnt jedoch XCHF-Token von Bitcoin Suisse ab, weil er denen nicht traut und das Risiko als zu hoch einschätzt, seine Tokens zu verlieren, falls diese Emittentin hoppsgeht.

Elastisch sind sie nicht, weil nicht gesichert ist, dass, ein Token immobilisiert ist, und damit nicht mehr fristgerecht transferiert werden kann.

Und integer sind sie laut Song Shin nicht, weil Finanzkriminelle mit Stablecoins neue Möglichkeiten für Betrügereien bekommen.

Zu Token von anderen Emittenten äusserte sich die SNB bislang nicht. 

Der harte Franken

Der Franken ist seit hundert Jahren eine wenn auch kleine, so doch anerkannte Hartwährung im globalen Devisengeschäft. Sie erfüllt, wenn auch in geringem Mass, die Rolle eines Zahlungsmittels in globalen Transaktionen, welche die Schweiz nicht berühren.

Die breit definierte Geldmenge M3 ist 2024 infolge der langjährigen lockeren SNB-Geldpolitik auf 1.2 Billionen Franken  (BSP  ca. 0.9 Billionen) angewachsen,  mit anderen Worten ist genügend Buchgeld  als Anker für Stablecoin-Token vorhanden.

Der globale Wirtschaftskrieg hat den Bedarf an Zahlungsmitteln mit reduziertem Konfiskationsrisiko durch den Feind während der Transaktion wachsen lassen. Sollte die Schweiz ihre Neutralität wiederbeleben können, können CHF-Stablecoins zum gesuchten, sicheren Zahlungsmittel im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr werden 

Damit flösse nicht nur eine  Verdienstquelle für hiesige Finanzdienstleister, das hätte auch eine dissusasive Wirkung, falls der Wirtschaftskrieg in einen Waffengang mutieren sollte. Denn Verlust der Souveränität der Schweiz müsste die CHF-Stableconis entwerten.

Mittwoch, 20. August 2025

Staatskapitalismus-Oligarchie-Marktlenkung: Diese Triade dürfte das kommende neue Wirtschaftssystem der USA definieren

Neben der diplomatischen Revolution der Umkehrung der herkömmlichen US-amerikanischen Allianzen weg von EU und NATO hin zu Russland, zerlegt Präsident Trump auch den neoliberalen Finanzkapitalismus anglo-amerikanischer Prägung, wie er sich seit Beginn der 1970er Jahre über mehrere Stufen entwickelt hat.

Das kommende neue US-Wirtschaftssystem fusst auf ganz anderen Grundsätzen

Staatskapitalismus

Wie kein Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg interveniert Trump ins Geschäft der Privatwirtschaft aller Branchen.

Heute beispielsweise kam die Meldung, er habe die Bosse der weltgrössten Bergbaukonzerne, die australische BHP und die britisch-australischen Rio Tinto ins Weisse Haus zitiert, um deren geplantes joint-venture Resolution Copper zu diskutieren, der Wiederinbetriebnahme einer riesigen, stillgelegten Kupfermine in Arizona.

Dies nachdem er vergangene Woche eine 10-prozentige Staatsbeteiligung an Intel ankündigte, Nvidia und AMD dazu verdonnerte, 15 Prozent ihrer Erlöse in China an den Staat abzuführen, drei der weltgrössten Chips-Hersteller.

Vor einem Monat genehmigte die Trump-Administration den Verkauf des letzten US-Stahlkochers US Steel an die japanische Nippon Steel nur unter der Bedingung, dass die US-Regierung bei wichtigen Entscheiden ein Mitspracherecht hat, bei Beschlüssen welche US-Werke und Arbeitsplätze betreffen, hat der US-Präsident ein Veto.

Als Staatskapitalist zwingt der US-Präsident diese Konzerne, ob amerikanisch oder nicht, ihre Gewinnmaximierung den von ihm definierten Landesinteressen der USA unterzuordnen.

Oligarchie

Geführt wird der entstehende amerikanische Staatskapitalismus weder von einer Partei, wie in China, und schon gar nicht von den Stimmberechtigten welche diese Partei gewählt haben, sondern von einer Oligarchenklasse, welche die Staatswirtschaft unter Führung des Präsidenten und seiner Administration anführt, und auch ergänzt.

Bereits sichtbare Manifestationen dieser Tendenz sind die Trump-Familie, deren Holding sich zurzeit vorbereitet im grossen Stil ins Geschäft mit den US-Dollar-Stablecoins einzusteigen, das kürzlich in einem Gesetz geregelt wurde.

Oder, wenn auch im umgekehrten Fall Elon Musk, der mit Trump brach, weil eines von dessen neuen Gesetzen seinen  Wirtschaftsinteressen diametral widerspricht.

Marktlenkung

Staatskapitalismus braucht Markt, ohne funktioniert er nicht. 

Wobei Markt im Staatskapitalismus nicht freie Preisbildung gemäss Angebot und Nachfrage bedeutet, mit staatlich administrierten Preisen als ultima Ratio bei Marktversagen.

Markt im Staatskapitalismus ist die Instrumentalisierung der Privatinitiative zwecks Wachstum von makroökonomischen Parametern wie Produktion, Dienstleistung, Handel und Konsum durch die Erlaubnis des Staates für Einzelpersonen, im Rahmen staatlicher Regulationen auf private Rechnung Produktion, Dienstleistung und Handel zu betreiben und damit Reichtum anzuhäufen.  

Wie ein solcher voltentwickelter, gelenkter Markt im US-Staatskapitalismus dereinst aussieht, bleibt noch abzuwarten.