Der Bundesrat will schärfere Eigenkapitalvorschriften. Die Beteiligungen systemrelevanter Schweizer Banken an ausländischen Tochtergesellschaften im Schweizer Stammhaus soll mit siebenjähriger Übergangsfrist künftig zu 100 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt werden müssen.
Demnach müssten Beteiligungen an Auslandtöchtern (Aktiven) auf der Passivseite der Bilanz des Mutterhauses durch dauerhaft verfügbares, voll verlusttragendes Eigenkapital finanziert sein.
Für UBS entspräche das nach Berechnungen des Bundes einer Erhöhung des dividendenberechtigen Aktienkapitals von rund 20 Milliarden Dollar, was die Eigenkapitalrendite schmählern müsste.
Heute sind bloss etwa 45 Prozent der Auslandbeteiligungen mit dividendenberechtigtem Eigenkapital unterlegt.
Die Vorlage liegt im Parlament. Die Wirtschaftskommission des Ständerats prüft schwächere Varianten der Unterlegungsvorschrift.
Bundesrat, Nationalbank, FINMA, SP und Grüne stehen hinter der harten Lösung.
UBS, Wirtschaftsverbände und grosse Teile des bürgerlichen Lagers wollen abschwächen. Die Mittepartei schwankt.
Eine Abschwächung der schärferen Eigenkapitalanforderungen an die UBS wäre meines Erachtens falsch.
Schwächere Eigenkapitalvorschriften stärken die implizite Schweizer Staatsgarantie eines vollglobalisierten Finanzgiganten auf Kosten der Innländer.
Die UBS ist längst keine Schweizer Bank mehr.
Gemäss ihrem Geschäftsbericht 2025 sind 21 Prozent des gesamten Aktienkapitals auf Adressen in der Schweiz registriert. Von den noch etwa 100'000 Beschäftigten arbeiten etwa ⅓ in der Schweiz. Die Konzernleitung besteht aus 7 Ausländern und 6 Innländern, der von einem Irisch-Amerikaner präsidierte Verwaltungsrat aus 9 Ausländern und 3 Innländern.
Kapitalverkehrskontrollen
Das US-kontrollierte internationale SWIFT-Netzwerk des Weltfinanzsystem, das den Devisenverkehr der nationalen Bankensysteme vermittelt, ist technisch veraltet und teuer. Während das neue grenzüberschreitende Interbank-Zahlungssystem der Chinesischen Nationalbank CISP den BRICS+ Staaten diesen Dienst schneller und preisgünstiger anbietet.
Zu all diesen geoökonomischen Treiber des Niedergangs des Hegemons kommen noch noch die technischen Treiber Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, welche auch die nationalen (Papier)Geld- und Kreditsysteme erfassen.
Neue digitale Geldsorten stellen ganz neue Anforderungen an das mittels Geldpolitik der Zentralbank regulierten (Papier)Geldsystem. Stablecoins beispielsweise, lösen die bisherige Homogenität von nationalem (Papier)Geld als Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Masseinheit auf.
Die zurzeit umlaufenden 183 Milliarden Tether Token (USDT) sind wohl ein gutes und preisgünstiges Dollar-Zahlungsmittel für einen Handel zwischen Unternehmen und Privaten in Ländern des Südens ohne Bankkonto. Aber nur unter der Drohung eines im Programm eingebaute kill-switch, der den Token zur Wertaufbewahrung hochriskant macht, wie die iranischen Revolutionsgarden lernen mussten, deren Bestände Tether nicht mit richterlicher Befugnis beschlagnahmte, sondern auf Befehl der Trump-Administration schlicht wegklickte.
Das zurzeit im Wirtschaftskrieg zwischen China und den USA entstehende neue Weltwährungssystem hat weder seine Gestalt, geschweige denn Namen und Begrifflichkeiten gefunden. Als Marschrichtung scheint mir der von Kathleen Tyson aufgebrachte Namensvorschlag Mehrwährungs-Merkantilismus gut zu passen:
"In 2023 we have mercantilist nations transacting in more diverse currencies and more diverse assets than the 2022 dollarised global economy. Dollar’s eighty-year dominance in the world is waning as the share of trade, credit, and investment in mercantilist currencies increases. As more states experiment with Multicurrency Mercantilism the transition will accelerate. Excessive Western sovereign debt and monetary laxity have contributed to unease among mercantilist states from 2009, but the decisive shift to Monetary Mercantilism in 2023 has been motivated by sanctions. The US and its allies overused sanctions, driving the rest of the world to defensive trade in alternative currencies." (Kathleen Tyson: Multicurrency Mercantilism: The New International Monetary Order, Kindle Edition p.10, 2023)
Die Schweiz sollte digitale Souveränität nicht als vollständige Autarkie, sondern als jederzeitige Kontroll-, Fortführungs- und Austauschfähigkeit verstehen.
Kritische Finanzdaten, Verschlüsselungsschlüssel, Administratorenzugänge und zentrale CHF-Infrastrukturen müssen ausschliesslich schweizerischer Entscheidungsgewalt unterstehen.
Ausländische Technologien dürfen eingesetzt werden, sofern keine einzelne Regierung oder Firma den Finanzplatz abschalten, überwachen oder dauerhaft blockieren kann.
Dafür braucht es mehrere unabhängige Lieferanten, offene und lokal wartbare Software sowie realistisch erprobte Ausstiegsmöglichkeiten aus Clouds und proprietären Plattformen.
Swiss Interbank Clearing SIC sollte als souveränes Rückgrat des CHF-Zahlungsverkehrs gestärkt und durch eine schweizerisch kontrollierte Konsortial-Blockchain für tokenisierte Vermögenswerte und Zentralbankgeld ergänzt werden.
Internationale Blockchains und Zahlungsnetze sollten über austauschbare Schnittstellen angebunden sein, dürfen aber nie den alleinigen Betriebsweg bilden.
Gleichzeitig muss die Schweiz eigene Rechenzentren, Kommunikationsnetze, Cyberabwehr, Fachkräfte und strategische Hardwarebestände aufbauen.
Regelmässige Krisentests müssen nachweisen, dass der Finanzplatz auch bei Sanktionen oder einem vollständigen Technologie- und Supportstopp durch die USA und China weiterarbeiten kann.
Nein – ein Ja zur Neutralitätsinitiative ist keine Voraussetzung für digitale Souveränität. Die technischen Massnahmen können bereits unter der heutigen Verfassung durch Finanzmarktregulierung, Beschaffungspolitik, SNB/SIX-Infrastruktur, Forschungsförderung und strategische Partnerschaften umgesetzt werden. (...) Belastbar ist meine engere Feststellung, dass die Neutralitätsinitiative rechtlich keine Voraussetzung bildet nur im Bezug auf die beschriebenen technischen Massnahmen; ob ihre Annahme insgesamt im Schweizer Landesinteresse liegt, ist dagegen ein politisches Werturteil.
Sicher doch, politisches Werturteil.
Ein Ja zur Neutralitätsinitiative verstärkt die positive Wirkung verschärfter Eigenkapitalvorschriften, Kapitalimportrestriktionen und digitaler Souveränität auf den Finanzplatz Schweiz im kommenden System des Mehrwährungs-Merkantilismus.
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