Donnerstag, 24. Oktober 2013

Die Idolisierung des Erfolgsmenschen Dieter Meier

Nein, bitte nicht! Was zuviel ist, ist zuviel.

Der dreiteilige Dieter-Meier-Zyklus der Zürcher Volkshochschule ist beschissene Eventkultur.

Dieter Meier als idealer Schweizer - Uns geht es gut, der Welt geht es schlecht.

Die Idolisierung des Erfolgsmenschen in Zeiten von Wirtschaftskrise und Wertezerfall ist böse. Das lehrt uns die Geschichte. Mit diesem Rezept führen falsche Propheten desorientierte und pauperisierte Massen in den Abgrund. Sei es als Diktatoren in der Politik, sei es als geheime Verführer des Konsums.

Soviel ins Stammbuch der Referenten Daniel Ryser, Madeleine Schuppli und Stefan Zweifel, die den Meier-Zyklus organisieren. Übrigens, geleitet wird die Volkshochschule des Kantons Zürich vom neoliberalen Kulturmanager Pius Knüsel.

Gegen Dieter Meier als Menschen ist damit nichts gesagt. Mensch und Erfolgsmensch sind bekanntlich zwei paar Schuhe. 

Mensch Meier ist ein beneidenswertes Sonntagskind. Sozusagen der Triumph der Affirmation über die Negation. Während Hegel und Marx uns lehren, die Negation sei stärker. Vielleicht hat ja Alain Badiou recht der sagt: Weder noch, am stärksten ist die Totalität der Synthese, Affirmation und Negation sind bloss die Anstösse zur nächsten Synthese.

Warum Sonntagskind? 

- Superverhältnis zum Vater, der aus bescheidener Herkunft zum Privatbanker aufstieg. No problemo, wenn die Bank Hoffmann seinerzeit im Geschäft mit Kunden aus dem Dritten Reich gross wurde, vielleicht waren es ja jüdische Flüchtlinge. 

- 1968 keine schmutzigen Hände und schmerzhafte Umwege mit den verfehlten Idolisierungen von Lenin, Stalin und Mao, den intellektuellen Sackgassen seiner Gerneration. 

- Superconnected mit seiner künstlerischen Berufung auf dem Fasttrack der Winner. Klappts nicht mit dem Malen gibts ja noch Performance, Musik, Film und weiss was noch. Okay, hier sehe ich zwei kleine Schöneitsfehler, welche die Erfolgsbilanz trüben. 1985 bekam Meier von der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft viel Geld zur Produktion eines Films zum 125-Jahr Jubiläum. Der Film wurde nie fertig, habe beim Festbankett 1987 miterlebt, wie kleinlaut er sich vor den Bankbossen rechtfertigte. Und dann die Crux des Schreibens, habe gehört, Meier hege seit langem den Ehrgeiz einen Roman zu produzieren, doch der wolle und wolle nicht gelingen.

- Goldenes Händchen in Beziehungsfragen, Bilderbuchfamilie mit zauberhafter Frau und allerschönsten Kindern. 

- Kein Abusus mit Alkohol und Drogen, soweit bekannt.

- Midas touch mit dem geerbten Geld auf den globalisierten Finanzmärkten. Ökologisch korrekte Finca in Argentinien, Villa in Hollywood... mir wird gleich schwindlig...

Doch Spass beiseite, habe unlängst mit Freunden im Volkshaus getafelt, wo Dieter Meier sich nicht zu schön war, höchstpersönlich seine Weine zu verkaufen. Mit seiner offenen, freundlichen, völlig uneingebildeten Art hat er auch mich bezirzt. Jetzt, müsste ich noch von Meiers völlig verfehlter Brandrede gegen die 1:12 Initiative schreiben, doch dazu reicht die Zeit nicht.

Zum Schluss als Trost für alle gewöhnlich Sterblichen noch der bekannte Vers eines anderen Grosskünstlers

Wer nie sein Brot mit Tränen ass,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend sass,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

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