Ein Grossbankenchef der Bundesrat, Nationalbank und Bankenüberwachung frontal angreift.
Das gab es in meiner Karriere als Bankenkritiker seit 1968 noch nie!
Im NZZ-Interview beschuldigt UBS-CEO Sergio Ermotti die Behörden Verwirrung zu stiften, weil sie die wahren Ursachen des Unterganges der CS verkennen.
Und weiter: Die Nationalbank hat die Probleme ignoriert; in ihrem alljährlichen Bericht zur Finanzstabilität findet sich kein Wort darüber, dass sich die CS schon seit mindestens 2019 in einer sehr schwierigen Situation befand. (20.9.26)
Ermottis Frontalattacke auf die Behörden erfolgt im Kontext der aktuellen Diskussion der Ständerats-Kommission zu den vom Bundesrat geforderten höheren Eigenkapitalanforderungen an ausländische Tochtergesellschaften von Schweizer Banken.
100 Prozent hartes Eigenkapital für ausländischen Tochtergesellschaften sollen verhindern, dass der Staat die UBS nochmals retten muss.
Die Panik des mit allen Wassern gewaschenen Tessiner Bankmanagers mach klar, auch die von der Ständeratskommission ventilierten Verwässerungen der Kapitalanforderungen von Bundesrat, Nationalbank und FINMA killen das herkömmliche UBS-Investmentbanking.
Verwässerungen wie nur 90 Prozent Eigenkapitalunterlage, davon die Hälfte nicht mit hartem Eigenkapital, sondern mit neustrukturierten, dubiosen Finanzinstrumenten wie die sogenannten AT1 Anleihen.
Das potentiell Aus für die UBS-Investmentbank ist für die UBS fatal.
Das globalisierte Investmentbanking generiert die grössten Profitraten aller Geschäftszweige, während die grossen Risiken bislang von einer impliziten Staatsgarantie gedeckt sind.
Keine Lehre aus dem UBS-Crash von 2008
In den Risiken des globalisierten Investmentbankings fussten sowohl der UBS-Crash von 2008, als auch der Untergang der CS 2023.
Nach dem UBS-Crash von 2008 empfahl unsereiner als Berater des damaligen SP-Nationalrates und UNIA-Zentralsekretärs Corrado Pardini ein Ende der impliziten Gratis-Staatsgarantie für systemrelevante Grossbanken durch die Einführung eines Trennbankensystems.
Also nicht bloss 100 Prozent hartes Eigenkapital für ausländische Tochterunternehmen - Magermilchvesion des Trennbanken-Systems - wie heute vom Bundesrat, Nationalbank und FINMA vorgeschlagen, sondern auch die vollständige rechtliche Trennung der Auslandtöchter vom Mutterhaus.
Damals vertrat auch die SVP und Nationalrat Christoph Blocher das Trennbankensystem.
Unvergessen bleiben mir als ausserparlamentarischer Linker die zwei Sitzungen mit Pardini und Blocher ihn SVP-Fraktionszimmer im Bundeshaus, aus denen zwei identische Motionen von SP und SVP für ein Schweizer Trennbankensystem resultierten.
Im Landesinteresse verständigten sich Gewerkschafter und Milliardär gegen die globalisierten Grossbanken.
Unvergessen auch Blochers wechselnde Beisitzer an diesen zwei Sitzungen.
In der ersten war es Nationalrat Hans Kaufmann, ein Vermögensverwalter alter Schule der mit Systemfragen eher Mühe hatte und bereits zusammenzuckte, wenn unsereiner nur schon das Wort Kapitalismus in den Mund nahm.
In der zweiten war es der junge Nationalrat Thomas Aeschi, geschliffen an der Kennedy School of Government der Harvard Universität, der keine Mühe mit Systemfragen zeigte.
Der Vorstoss zur Trennbanken-Initiative verlief leider im Sand.
Blocher verlor das Interesse, Pardini wurde von Tamara Funicello aus Nationalrat und UNIA weggeputzt, und die heutige Juso-SP pflegt ganz andere Prioritäten als Bankenregulierung.
Die Zukunft der UBS
Meines Erachtens sollte das Parlament den Vorschlägen von Bundesrat folgen, den Nationalbank und FINMA abgesegnet haben.
Das vermindert das Risko des Schweizer Staates aus seiner impliziten Garantie für den globalisierten Finanzgiganten, der ein Schweizer Fähnlein schwenkt.
Und kickt das UBS-Investmentbanking aus dem Kernkreislauf des globalisierten, Anglo-amerikanischen Finanzkapitalismus neoliberaler Prägung. Dem einstmals hegemonialen Weltsystem, das von einem multilateralen neuen System ersetzt wird, das am Horizont erkennbar ist.
Beides stärkt die Resilienz der Schweizer Wirtschaft in kommenden, höchstwahrscheinlich schweren Zeiten.
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