Montag, 28. September 2026

Flexible Neutralität, multipolare Aussenpolitik, digitale Souveränität und Stablecoins

Der Schweizer Souverän steht hinter der Aussenpolitik des Bundesrates.

Flexible Neutralität.

Keine Äquidistanz zu den Protagonisten und Antagonisten des laufenden Kampfes der Neuordnung von Weltpolitik, Weltwirtschaft und Weltfinanz.

Konkret formuliert: Nähe zu USA, NATO, EU und Israel, Distanz zu China, Russland, BRICS+ und Iran.

Ob das die richtige Aussenpolitik zur erfolgreichen Selbstbehauptung der Schweiz in unruhigen Zeiten ist, steht in den Sternen.

Bereits klar erkennbar ist lediglich der erste Schritt, den die laut Aussenminister Ignazio Cassis nach wie vor neutrale Schweiz jetzt machen muss. 

Der Bundesrat muss die roten Linien der flexiblen Neutralität explizit definieren.

Sprich die maximal praktizierte Nähe zu USA, NATO, EU und Israel, und die maximal praktizierten Ferne von China, Russland, BRICS+ und Iran festlegen.

Und die Glaubwürdigkeit dieser Grenzziehung durch Taten untermauern.

Aussenpolitisch beispielsweise durch die explizite Akzeptanz der Universalität des Völkerrechtes durch den Schweizer Aussenminister.

Ein Genozid ist ein Genozid, ist ein Genozid.

Ein völkerrechtswidriger Angrifskrieg ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg.

Innenpolitisch beispielsweise durch das Streben nach digitaler Souveränität, das heisst Lockerung der technologischen US-Dominanz durch gezielten Einsatz chinesischer Technologie.

Oder die anstehende Regulierung der CHF-Stablecoins nicht auf Basis des entstehenden, globalisierten, USA-dominierten Stablecoinsystems, sondern auf Grundlage einer neutralen Schweizer Lösung auf Basis digitaler Souveränität, die den kommenden CHF-Stablecoin auch für Wirtschaftsakteure in China, Russland, BRICS+ und Iran verwendbar macht.

Dienstag, 22. September 2026

UBS-Kapitän Ermotti in Panik, sein Schiff sinkt

Ein Grossbankenchef der Bundesrat, Nationalbank und Bankenüberwachung frontal angreift.

Das gab es in meiner Karriere als Bankenkritiker seit 1968 noch nie!

Im NZZ-Interview beschuldigt UBS-CEO Sergio Ermotti die Behörden Verwirrung zu stiften, weil sie die wahren Ursachen des Unterganges der CS verkennen.

Und weiter: Die Nationalbank hat die Probleme ignoriert; in ihrem alljährlichen Bericht zur Finanzstabilität findet sich kein Wort darüber, dass sich die CS schon seit mindestens 2019 in einer sehr schwierigen Situation befand. (20.9.26) 

Ermottis Frontalattacke auf die Behörden erfolgt im Kontext der aktuellen Diskussion der Ständerats-Kommission zu den vom Bundesrat geforderten höheren Eigenkapitalanforderungen an ausländische Tochtergesellschaften von Schweizer Banken.

100 Prozent hartes Eigenkapital für ausländischen Tochtergesellschaften sollen verhindern, dass der Staat die UBS nochmals retten muss.

Die Panik des mit allen Wassern gewaschenen Tessiner Bankmanagers mach klar, auch die von der Ständeratskommission ventilierten Verwässerungen der Kapitalanforderungen von Bundesrat, Nationalbank und FINMA killen das herkömmliche UBS-Investmentbanking.

Verwässerungen wie nur 90 Prozent Eigenkapitalunterlage, davon die Hälfte nicht mit hartem Eigenkapital, sondern mit neustrukturierten, dubiosen Finanzinstrumenten wie die sogenannten AT1 Anleihen.

Das potentiell Aus für die UBS-Investmentbank ist für die UBS fatal.

Das globalisierte Investmentbanking generiert die grössten Profitraten aller Geschäftszweige, während die grossen Risiken bislang von einer impliziten Staatsgarantie gedeckt sind.

Kommt noch dazu, fällt das UBS-Investmentbanking weg, steht das Geschäftsmodell der UBS insgesamt auf der Kippe.

Also die Kombination der weitaus grösste Schweizer Geschäftsbank (Lohnkonti, Hypotheken, Betriebskredite, etc.), mit einer der weltweit grössten globalisierten Vermögensverwaltungsbank, und einer globalisierten Investmentbank.

Keine Lehre aus dem UBS-Crash von 2008

In den Risiken des globalisierten Investmentbankings fussten sowohl der UBS-Crash von 2008, als auch der Untergang der CS 2023.

Nach dem UBS-Crash von 2008 empfahl unsereiner als Berater des damaligen SP-Nationalrates und UNIA-Zentralsekretärs Corrado Pardini ein Ende der impliziten Gratis-Staatsgarantie für systemrelevante Grossbanken durch die Einführung eines Trennbankensystems.

Also nicht bloss 100 Prozent hartes Eigenkapital für ausländische Tochterunternehmen - Magermilchvesion des Trennbanken-Systems - wie heute vom Bundesrat, Nationalbank und FINMA vorgeschlagen, sondern auch die vollständige rechtliche Trennung der Auslandtöchter vom Mutterhaus.

Damals vertrat auch die SVP und Nationalrat Christoph Blocher das Trennbankensystem.

Unvergessen bleiben mir als ausserparlamentarischer Linker die zwei Sitzungen mit Pardini und Blocher ihn SVP-Fraktionszimmer im Bundeshaus, aus denen zwei identische Motionen von SP und SVP für ein Schweizer Trennbankensystem resultierten.

Im Landesinteresse verständigten sich Gewerkschafter und Milliardär gegen die globalisierten Grossbanken. 

Unvergessen auch Blochers wechselnde Beisitzer an diesen zwei Sitzungen.

In der ersten war es Nationalrat Hans Kaufmann, ein Vermögensverwalter alter Schule der mit Systemfragen eher Mühe hatte und bereits zusammenzuckte, wenn unsereiner nur schon das Wort Kapitalismus in den Mund nahm.

In der zweiten war es der junge Nationalrat Thomas Aeschi, geschliffen an der Kennedy School of Government der Harvard Universität, der keine Mühe mit Systemfragen zeigte.

Der Vorstoss zur Trennbanken-Initiative verlief leider im Sand.

Blocher verlor das Interesse, Pardini wurde von Tamara Funicello aus Nationalrat und UNIA weggeputzt, und die heutige Juso-SP pflegt ganz andere Prioritäten als Bankenregulierung.

Die Zukunft der UBS

Meines Erachtens sollte das Parlament den Vorschlägen von Bundesrat folgen, den Nationalbank und FINMA abgesegnet haben.

Das vermindert das Risko des Schweizer Staates aus seiner impliziten Garantie für den globalisierten Finanzgiganten, der ein Schweizer Fähnlein schwenkt.

Und kickt das UBS-Investmentbanking aus dem Kernkreislauf des globalisierten, Anglo-amerikanischen Finanzkapitalismus neoliberaler Prägung. Dem einstmals hegemonialen Weltsystem, das von einem multilateralen neuen System ersetzt wird, das am Horizont erkennbar ist.

Beides stärkt die Resilienz der Schweizer Wirtschaft in kommenden, höchstwahrscheinlich schweren Zeiten.

Montag, 14. September 2026

Ohne Neutralität bleibt der CHF-Stablecoin ein Sandkastenspiel

Zurzeit läuft auf dem Finanzplatz Schweiz ein Sandkastenspiel, das die Praktikabilität der Einführung eines CHF-Stablecoins testet.

Scheint technisch gut zu laufen, vor kurzem schlossen sich auch noch twint und SIX der Sandbox an.

CHF-Stablecoins sind digitale Token (kleine Computerprogramme), die virtuell einen Franken verkörpern, der bei der privaten Emissionsstelle mit einem Franken hinterlegt ist.

Solche Token können, auf einer Blockchain dokumentiert, zwischen zwei legal heruntergeladenen Apps als kostenloses, legales Zahlungsmedium dienen.

Geldtheoretisch betrachtet sind CHF-Stablecoins eine neue, digitale Form des Frankens, zwischen dem von der Nationalbank dank Verfassungsprivileg geschaffenen Zentralbanken-Papiergeld, das nur im Bankensystem zirkuliert, und dem vom privaten Bankensystem geschaffen Kreditgeld.

Um dieser neuen, digitalen Geldsorte das nötige Vertrauen im Zahlungsverkehr zu verschaffen, muss sie gesetzlich reguliert sein.

Tokeneigentum muss im Streitfall vor dem Richter einklagefähig werden.

In Bern arbeiten Nationalbank, FINMA und Staatssekretariat für internationale Finanzfragen zurzeit an einer Schweizer Stablecoin-Regelung. 

Ende August beschäftigten Stablecoins und ihre Folgen auf Zahlungsverkehr und Geldpolitik auch die Teilnehmer des Jackson Hole Economic Symposium mit dem Titel Financial Innovation: Implications for Payments and Policy.

Der von der Kansas City Fed in den Bergen von Wyoming organisierte Anlass gilt wichtigste internationale geldpolitische Konferenz des Anglo-amerikanischen, dollardominierten Finanzkapitalismus neoliberaler Prägung.

Nationalbankpräsident-Präsident Martin Schlegel was there, Schweizer Medien nicht.

Das diesjährige Thema fügt sich nahtlos in die von der Trump-Administreation vorangetriebene regulatorischen Neuordnung einer volldigitalisierten Geldverfassung. Die auf Basis des GENIUS Act von 2025 seinen nationalen Stablecoin-Rechtsrahmen schuf, der von US-Bankenaufsicht, US-Einlagensicherung und US-Zentralbank laufend verfeinert wird.

Vertreter der Chinesischen und Russischen Zentralbank sind in Jackson Hole seit einigen Jahren nicht mehr dabei. Eine Vertreterin der Bank of Russia nahm letztmals 2016 teil, ein Vertreter der People's Bank of China 2023.

Obwohl sich beide Institute selbstverständlich ebenfalls intensiv mit den regulatorischen Folgen der volldigitalisierten Geldverfassung beschäftigen und, zumindest was China betrifft, bereits weiter fortgeschritten sind als die USA. 

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die differenzierte Behandlung der People's Bank of China und der Bank of Russia in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken in Basel, der beide Institute nach dem Untergang der Sowjetunion Mitglieder beitraten.

China ist bis heute vollberechtigtes, aktives Mitglied, Zentralbank-Gouverneur Pan Gongsheng ist Mitglied des Verwaltungsrates. Die Bank of Russia hingegen, ist seit Februar 2022 von allen Aktivitäten der BIZ suspendiert, während die formelle Mitgliedschaft weiter läuft. 

Stablecoin-Regulierung nach geopolitischen Kriterien

Wer Geld schöpfen darf, kassiert die Seigniorage, zu Deutsch den Geldschöpfungsgewinn.

Das war schon so, als das kleinasische Volk der Lyder und die Chinesen im 7. Jahrhundert vor Christus ungefähr gleichzeitig die Münzen erfanden.

Und es ist heute so bei den Stablecoins. Deshalb befürworte ich eine gesetzliche Regelung, welche den privaten Emittenten die Seignorage der neuen Geldsorte stark beschränkt, und grösstenteils in die Staatskassen fliessen lässt.

Dazu schreibe ich dann mal einen anderen Post, hier und jetzt geht es um ein anderes Stablecoin-Charakteristikum, nämlich den Ausknips-Schalter (Englisch Kill Switch).

Ein Stablecoin kann vom Emittenten nicht nur beschlagnahmt und eingezogen werden, wie es mit den Russenmilliarden auf den US-kontrollierten, belgischen Clearinghäusern geschah. Ein Token kann mit Mausklick gelöscht und damit vernichtet werden. 

So geschehen mit den US$-Tether-Token der Iranischen Revolutionsgarden; nach Schätzungen knipste die in El Salvador inkorporierte Privatfirma Tether nach US-Intervention einen niedrigen dreistellige Millionenbetrag $Token aus iranischem Eigentum aus.

Zoomen wir zwei-drei Jahre in die Zukunft, sollte der Klimakollaps dannzumal ein CHF-Stablecoin nicht bereits belanglos gemacht haben und die Schweizer Stablecoin Gesetzgebung stehen, dürften die USA und ihre Verbündeten, und China und seine Verbündeten bei den CH-Token ganz andere Sequestrier-und-Ausknips-Vorstellungen haben.

Dies weil eher unwahrscheinlich ist, dass der gegenwärtige Trend zur politischen und wirtschaftlichen Re-Regionalisierung der Welt in absehbarer Zeit wieder vom Gegentrend zu Globalisierung und Deregulierung abgelöst wird, der vom Beginn der 1980er Jahre bis etwa Mitte der 2010er Jahre vorherrschte.

Auf diesem Hintergrund haben Bundesrat und Parlament zwei mögliche Stablecoin-Regulationsstrategien zur Hand.

Entweder werden die Token im Kontext des schrumpfenden US-dominierten Finanzsystems reguliert, was den US-Präsidenten faktisch am kill switch installiert. (Etwa so wie beim F-35 Waffensystem, bei dem es ebenfalls einen kill switch in US-amerikanischer Hand geben soll.)

Oder sie konzipieren einen Schweiz-zentrierten Token, inklusive autonomer Blockchain, und autonomen Cloud Strukturen, mit einem  Kill Switch den nur der Bundesrat drücken darf.

Was nicht bedeutet, dass er ihn nie drückt, sondern lediglich dass weder die Interessen der USA und seiner Verbündeten, noch die Interessen Chinas und seiner Verbündeten ausschlaggebend sind, sondern stets das  Landesinteresse der Schweiz.

Ein solcher Swiss-Token könnte die meines Erachtens erheblichen negativen Auswirkungen der von den Umfragen vorausgesagte Ablehnung der Neutralitäts-Initiative etwas kompensieren. Wie Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey richtig bemerkte, dürfte die Welt das Nein zu dieser Initiative als Nein zur Neutralität und Ja zur Annäherung an die NATO und die EU verstehen - Was den NATO und EU-Turbos nur recht sein kann.