Dienstag, 8. Mai 2018

Eric Gujers E-Mail-Newsletter für Deutschland: Problematisch für die Position des NZZ-Chefredaktors in der Schweiz

Am vergangenen Samstag propagierte NZZ-Chefredaktor Eric Gujer ein Bündnis von Deutschland und den USA gegen China und Russland. Seine Empfehlung an die deutsche Bundesregierung hat er allerdings nicht in der NZZ als Leitartikel publik gemacht, sondern versteckt als Bulletpoint in seinem E-Mail-Newsletter für Deutschland.

Hä? Habe immer gemeint ein NZZ-Chefredaktor verkündige wichtige Positionsbezüge seines Blattes in klaren Worten in der Samstagsausgabe. "Wehret den Anfängen" schrieb nach dem Globuskrawall 1968 ein Gujer-Amtsvorgänger - der später damit bestraft wurde, dass sich eines seiner Kinder den Maoisten anschloss, doch das ist eine andere Geschichte.

Gujers Bulletpoint im Newsletter stellt viele Fragen. Würde Gujer dem Schweizer Bundesrat dieselbe aussenpolitische Empfehlung geben - oder hat er dies vielleicht bereits getan?

Was meinen sie wohl drüben bei der UBS zu Gujers antichinesischer Generallinie,  der grössten Schweizer Bank die zurzeit im Reich der Mitte ein grosses Ausbauprogramm laufen hat.

Und NZZ-Redaktion? Ist das seit Gujers Machtantritt am Sechseläutenplatz rundumerneuerte Gremium bereit, den Boden der traditionellen Schweizer Neutralität zu verlassen, und in eine US-amerikanisch geführte Kampffront gegen China und Russland einzutreten?

Fragen über Fragen.

Montag, 16. April 2018

Mordfall Alboth: NZZ-Redaktor Marc Tribelhorn, der Journalismus und die Verschwörungstheorie

Der Mordfall Herbert Alboth ist eine unaufgeklärte Cause Célèbre der Schweizer Kriminalgeschichte aus dem Jahr 1990.

In der heutigen NZZ schreibt Redaktor Marc Tribelhorn, zuständig für historische Analysen und Sicherheitspolitik, über den interessanten Fall. Vereinfacht gesagt geht es dabei um die Frage ob es ein Mord im Schwulenmilieu war, Alboth war homosexuell, oder ein politscher Mord. Als Oberstleutnant war Alboth ein wichtiger Mann im Militärgeheimdienst, möglicherweise der Chef einer Vorgängerorganisation der Geheimarmee P-26.

Diese Alboth-Geschichte ist eine saftige Geschichte. Ein schwuler Sohnes eines deutschen Teppichhändlers, der, eingebürgert, eine schöne Militärkarriere machte, und im April 1970 mit seinem eigenen Bajonett im Bauche tot aufgefunden wurde.

Doch deswegen greife ich hier nicht in die Tasten.

Grund dafür ist der Schluss von Tribelhorns Alboth-Story.

Tribelhorn: "(1990) ........ gerät der rätselhafte Alboth-Mord rasch in den Hintergrund. Er ist bis heute nicht aufgeklärt - und nährt weiterhin Verschwörungstheorien. Auch wenn die Landesregierung auf einen Vorstoss des Sozialdemokraten Remo Gysin 2005 unmissverständlich antwortete: Der Bundesrat ′sieht sich beim gegenwärtigen Kenntnisstand zu keinen zusätzlichen Massnahmen veranlasst′".

Aha, wer die Meinung des Bundesrates zum ungelösten Mordfall von nationaler Bedeutung nicht teilt, ist ein Verschwörungstheoretiker.

Der Einsatz des Kampfbegriffes "Verschwörungstheorie" mit dem dieser NZZ-Redaktor in seiner Story Andersdenkende flächendeckend diffamiert ist kein Journalismus, sondern polit-populistischer Kampf um die Deutung der Schweizer Militärgeschichte.

Und das in einem Blatt, das in seinen aussenpolitischen Kommentaren, sowie in Chefredaktor Eric Gujers E-Mail-Newsletter für Deutschland, den Boden der Schweizer Neutralität zunehmend verlässt.

Dienstag, 3. April 2018

Der vergessene Kaiserweg Karls des Grossen und des Heiligen Römischen Reiches

Von der Mitte des 8. Jahrhunderts bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts existierte zwischen dem Grossen Sankt Bernhard im Westen und den Bündner Pässen im Osten eine transalpines Passsystem von europäischer Bedeutung.

Der vergessene Kaiserweg Karls des Grossen und des Heiligen Römischen Reiches vom Thuner- und Vierwaldstättersee über Gemmi/Lötschen-Simplon und Brünig-Grimsel-Gries zum Lago Maggiore.

Die gängige Historiografie des Aargaus, Emmentals und Berner Oberlandes im Früh- und Hochmittelalter hat diese dritte Transitstrecke über die Zentralalpen, entgegen ihrer grossen Bedeutung ebenso übersehen, wie die gängige Geschichtsschreibung der Lombardei - zumindest insoweit unsereins als Google-Historiker die italienische Geschichtsschreibung zu überblicken vermag.

Deutschsprachige Standardwerke über die Alpen und ihre Geschichte, etwa Die Alpen von Werner Bätzing oder Walser Volkstum von Paul Zinsli wissen nichts von dieser Alpentransitstrecke. Ebensowenig das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz IVS. Und auch der Mittelalterhistoriker Bernhard Stettler, der die Geschichte des oberen Aareraumes im Früh- und Hochmittelalter studierte, hat die Bedeutung des Berner Oberländer und Oberwalliser Passsystems für die damaligen grossen alpenüberspannenden Reiche verkannt.

Auf diesen vergessenen Kaiserweg bin ich im Laufe meiner Recherche über meine Vorfahren aus dem Rheinwalder Walsergeschlecht der Trepp gestossen, deren Ahnen in den 1270er Jahren vom Oberwallis ins Rheinwald gekommen waren.

Genauer gesagt aus dem damals bis zum Lago Maggiore deutschsprachigen Eschental (Italienisch Val Toce) das zum Simplon und zum Griespass und weiter ins Wallis führt.

Da die alamannischen Ahnen der Walser Deutsch, besser Höchstalemannisch sprachen, lag die Beschäftigung mit den Pässen Gemmi, Lötschen und Grimsel auf der Hand, die vom Wallis ins Berner Oberland führen.

Dabei musste ich feststellen, dass das Historische Lexikon der Schweiz und die greifbaren historischen Darstellungen die alamannische Besiedelung des Berner Oberlandes nur vage auf das 8. bis 10. Jahrhundert datieren. Das war mir zuwenig gut und ich machte mich auf die Suche nach einschlägigen Informationen.

Ich bin nicht Historiker sondern Ökonom. Die Methode meiner Recherchen zur Geschichte der Rheinwalder Walser und ihrer Oberwalliser Ahnen vom 8. bis zum 13. Jahrhundert möchte ich mit Longue Durée plus Big Data bezeichnen.

Longue Durée verstanden im Sinne des französischen Historikers Fernand Braudel, der Geschichte nicht als Aneinanderreihung von Einzelereignissen verstand, sondern als Erschliessung der Vergangenheit im Kontext der Einwirkung geografischer Strukturen auf die langfristigen Veränderungen sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse – hier des Alpentransits. Big Data im Sinne des Sammelns möglichst vieler relevanter Informationen aus möglichst vielen Quellen unter Einsatz von Suchmaschinen zur Durchforstung digitalisierter Quellenbestände.

Die damit gewonnenen Erkenntnisse ermöglichten mir einen neuen Blick auf die frühmittelalterliche alamannische Besiedelung des Berner Oberlandes, Oberwallis und Eschentals. Und legten den vergessenen Kaiserweg frei, der sowohl für die Vorgeschichte der Drei Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden, sowie auch für die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches von Bedeutung ist.

Mein neues Buch Hohe Berge - Enges Tal, das die Geschichte dieses vergessenen Kaiserweges erzählt, kann hier bezogen werden.

Donnerstag, 15. März 2018

Für elektronisches Zentralbankengeld - Dirk Niepelt kritisiert die Irrläufer Reto Föllmi und Fabian Schnell

Private Kryptowährungen und digitales Zentralbankengeld sind zwei paar Schuhe.

Private Kryptowährungen (Bitcoin, Ripple, etc.) sind anonyme, virtuelle Wertobjekte, die sich weniger für den Zahlungsverkehr eignen, als zur Spekulation.

Digitales Zentralbankengeld oder elektronische Banknoten sind das Aequivalent der jeweiligen Währungseinheit.

Der elektronische Franken beispielsweise, ist das Aequivalent der Münzen und gedruckten Frankennoten: 1 E-Franken = 1 Frankenmünze; 1000 E-Franken = 1 Tausendernote.

Der E-Franken der Nationalbank ist eine neue elektronische Geldsorte der Nationalbank zur Ergänzung des heutigen elektronischen Buchgeldes auf dem Konto einer privaten Bank.

Anders gesagt ist E-Cash ein Zahlungsmittel für das allgemeine Publikum und alle Unternehmen im weltweiten elektronischen Zahlungsverkehr, ohne Zwischenschaltung des heutigen elektronischen Buchgeldes auf dem Konto einer privaten Bank.

Zurzeit ventilieren diverse Zentralbanken Ideen, wie das Prinzip der elektronischen Banknote konkret ausgestaltet werden könnte.

Davon haben anscheinend HSG-Professor Reto Föllmi und Avenir-Suisse-Geldpolitikexperte Fabian Schnell noch nichts mitbekommen (NZZ 17.2.18).

In seinem Gastkommentar in der heutigen NZZ kanzelt Prof. Dirk Niepelt, Chef der Nationalbank-Denkfabrik Gerzensee, Föllmi und Schnell meines Erachtens zu Recht, als konfuse Irrläufer ab, welche ihre Kritik am Kryptogeld fälschlicherweise mit der laufenden Diskussion um digitales Zentralbankengeld verknüpfen.

In seinem Kommentar erwähnt Niepelt Argumente für und gegen das digitale Zentralbankengeld und betont, dass sich die Schweiz einer ökonomischen Abwägung dieser Argumente nicht verschliessen sollte.

Als eines der stärksten Argumente dafür gilt ihm die dadurch erreiche verminderte Erpressbarkeit der Zentralbank.

Angewendet auf die Schweiz ist das ein hochaktuelles Argument.

Als Folge der unkonventionellen Geldpolitik seit der Finanzkrise vor 10 Jahren entstanden enorme überschüssige Giroguthaben des Bankensystems bei der Nationalbank.

Diese für die Geldpolitik schädlichen Überschüsse sind mittlerweilen höher als das Eigenkapital plus die Reserven und müssen reduziert werden.

Darüber sollten sie in Bern oben gelegentlich auch mal debatieren.


Donnerstag, 8. März 2018

Mein Verleger Jeff Bezos

Ein grosser Moment für einen Buchautor.

Heute brachte mir der Pöstler das erste Exemplar meines neuen Buches "Hohe Berge - Enges Tal", das die Geschichte meiner Vorfahren zurück zu den rätischen Walsern und deren Ahnen im Oberwallis erzählt.

Gesetzt und gestaltet wurde das Buch von mir selbst in Zürich - and believe me folks, the typesetting wasn't that easy.  Produziert wird der Titel im On-Demand-Verfahren von einer Amazon-Druckerei in Columbia, South Carolina, USA. Der Vertrieb läuft über amazon.de.


Link Hohe Berge - Enges Tal. Vielen Dank an alle die es kaufen und lesen wollen.

Meine vier bisherigen Bücher sind bei den drei Kleinverlagen Union, Limmat und Rotpunkt erschienen, die Mitte der 1970er Jahre aus der Zürcher Linken entstanden sind.

Mein neuestes Buch wollten sie dort nicht mehr haben. Der alte Buchprofi Lucien Leitess meinte, der Text passe in kein Genre, während der etwas jüngere Buchprofi Erwin Künzli mir riet, doch lieber einen Roman über meine Kindheit und Jugend in den Zürcher Stadtkreisen 4 und 5 zu schreiben.

Der reichste Mann der Welt Jeff Bezos nimmt jeden, der etwas zu sagen hat.

Montag, 5. März 2018

Wem gehören die Devisen- und Goldreserven der Nationalbank?

Heute veröffentlichte die Nationalbank (SNB) ihre Buchhaltung für das Jahr 2017.

Demnach verfügt die SNB über ein Vermögen von 830 Milliarden Franken. Nämlich Devisenreserven von 790 Milliarden und Goldreserven von 40 Milliarden. (Auf 10 Milliarden gerundet.)

Das ist enorm viel Geld. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt, also der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die 2017 in der Schweiz hergestellt wurden beträgt 660 Milliarden Franken.

Wem gehört dieses gigantische Vermögen?

Darüber informiert die Passivseite der Bilanz welche die Nationalbank-Schulden gegenüber Dritten festschreibt.

Demnach schuldet die Nationalbank zahlreichen in- und ausländischen Banken 530 Milliarden Franken. Dazu kommen diverse andere Schulden von 90 Milliarden, der Banknotenumlauf von 80 Milliarden sowie das Eigenkapital und die Reserven von 140 Milliarden.

Zwei Drittel des Nationalbank-Vermögens gehören den etwas über 250 nationalen und internationalen privaten Banken und Finanzinstitutionen, die ein Girokonto bei der SNB haben.

Diese historisch beispiellose Situation ist eine Folge der unkonventionellen Geldpolitik der SNB seit der Finanzkrise vor 10 Jahren. Sprich die jahrelangen Schwächung des Euro-Frankenkurses durch Ankauf von Euros durch die SNB.

Diese Euro hat die SNB via die erwähnten Girobanken gekauft und dafür selbtstgeschöpftes elektronischen SNB-Girogeld auf deren SNB-Girokonten überwiesen.

Weil die privaten Banken die für die SNB gekauften Euros nicht mit dem SNB-Girogeld bezahlt haben, sondern mit von ihnen selbst geschöpften Kreditgeld, liegt dieses SNB-Girogeld heute als 530-Milliarden-Gutschrift auf den Girokontos der Banken bei der SNB.

Okay, tönt vielleicht ein bisschen kompliziert, läuft aber auf folgendes hinaus: Der grösste - leistungslose! - Profiteur der unkonventionellen Geldpolitik von Philipp Hildebrand und Prof. Thomas Jordan sind die SNB-Girobanken.

Für den prominenten neoliberalen Geldtheoretiker Prof. Ernst Baltensberger, hat das private Bankensystem damit noch nicht genug profitiert. In einem NZZ-Artikel schrieb er unlängst folgendes: "Die SNB schliesslich kann mit der Ausgabe von 'SNB-Bills' die Giroguthaben durch eigene verzinsliche Schuldpapiere ersetzen." (NZZ, 22.2.18)

Bislang sind die 530 Milliarden Giroguthaben unverzinst. Sollte Baltensberger-Schüler und Nationalbankchef Thomas Jordan der Anregung seines alten Professor folgen, und die Giroguthaben unter anderem Namen verzinsen, dann bekommen die UBS, Credit Suisse, ZKB, Raiffeisen & Co. zukünftig von der Nationalbank eine Subvention.

Ich aber wundere mich, weshalb die Politiker aller Parteien die überschüssigen Fremdwährungsreserven und Girogelder in der Nationalbankbilanz ignorieren.

PS: Das Vermögen der Nationalbank gehört dem Volk und nicht den privaten Banken

Sonntag, 25. Februar 2018

Bitcoin, Blockchain und der Elektronische Franken

Die Idee einer elektronischen Banknote und das Internet widersprechen sich diametral.

Die Übertragung von Daten via Internet-Browser beruht auf dem Prinzip Vervielfältigung — dieser Blogpost wird (hoffentlich) von 1001 Webbrowsern kopiert  —,  während der der Witz der Banknote gerade darin besteht, dass sie nicht vervielfältigt, sondert als Unikat von Person zu Person übertragen wird.

In der Frühgeschichte des Datenverkehrs von Computer zu Computer vor 1990 (Arpanet),  spielte dieser Widerspruch noch keine Rolle. Die Kommerzialisierung des Internets nach dem Durchbruch des Netscape-Browsers 1993/94 rückte dann die Problematik der anonymen Direktzahlung auf dem Netz in den Vordergrund.

Weil die grossen Banken Mitte der 1990er Jahre kein Interesse an der Entwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs zeigten, entwickelten Peter Thiel und andere im Silicon Valley den Bezahldienst PayPal, mit dem Geld einfach und schnell gesendet und empfangen werden konnte. Allerdings nicht anonym, sondern zwischen identifizierten PayPalkontos die über ein Bankkonto mit Zentralbanken aufgefüllt werden müssen.

Im Februar 2000 war ich an einer Finanzkryptografie-Konferenz in Anguilla und hörte dort Thiel und andere Cracks der damaligen Finanzkryptoszene. Sie redeten vor allem über die Anonymisierung des Individuums auf dem Netz. Vom Problem des mehrmaligen Zahlens mit dem gleichen elektronischen Geld redete keiner.


                                   
Schluss der Teilnehmerliste

Dann kamen 9/11, der Irakkrieg und der Krieg gegen den Terrorismus. Die Welt wandelte sich fundamental. Die Anonymisierung des einzelnen Internetsurfers war politisch nicht mehr korrekt. Das amerikanische Naval Research Lab, die Bell Labs, IBM Research und die US-Eliteunis verlagerten ihre Ressourcen auf politisch korrekte Forschungsfelder.

Später verlagerten die Satoshi-Nakamotos ihre Aktivitäten auf das Problem der Verhinderung von Mehrfachzahlungen mit elektronischem Geld. Sie lösten dieses Problem 2009 mit der Blockchain-Technik. Die neue Technik koppelten sie mit der Anonymisierung der Transaktion und der Schöpfung eines neuen nicht-Zentralbanken-Geldes zum elektronischen Kyptogeld Bitcoin.

Die seitherigen Erfahrungen mit Bitcoin haben die Frage aufgeworfen, inwieweit diese neue Geldsorte die drei klassischen Funktionen des Geldes erfüllen kann. Also gleichzeitig Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel sowie Wertmesser und Recheneinheit zu sein.

Vieles spricht dafür, dass staatlich unregulierte Kryptowährungen wie Bitcoin und andere kein Geld im klassischen Sinne sind, sondern von der Realwirtschaft entkoppelte Spekulationsvehikel der neuen Art.

Je mehr der Staat solche nicht-Zentralbanken-Kryptowährungen reguliert, desto mehr geht die Anonymität flöten. Je weniger der Staat reguliert, desto wilder schwankt der in Zentralbankengeld ausgedrückte Wert.

Das Beste an Bitcoin ist die Blockchain-Technologie. Eine wichtige von vielen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie sind elektronischen Banknoten von Zentralbanken. Solches E-Cash ist klassisches Geld im Sinne der Dreifaltigkeit von  Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Wertmesser und Recheneinheit.

Rein technisch können alle Zentralbanken E-Cash ausgeben. Für welche Währungen sich das lohnt ist allerdings eine geldpolitische Frage, die nur im wirtschaftspolitischen Gesasamtkontext des betreffenden Währungsraumes beantwortet werden kann.

Was die Frankenwährung betrifft scheint die Schaffung eines E-Frankens auf einer SNB-Blockchain aus heutiger Gesamtsicht der Entwicklungsperspektiven des Wirtschaftsraumes Schweiz empfehlenswert. Dies aus folgenden Gründen:

  • Es darf davon ausgegangen werden, dass die elektronische Form der Hartwährung Franken überall auf der Welt gleich gut akzeptiert wird wie die Schweizer Banknoten. 
  • Der E-Franken verkörpert das Gute am Vollgeld ohne dessen Nachteile. Wer dem Buchgeld des Bankensystems misstraut, kann mit E-Franken 100 prozentiges Nationalbankgeld halten.
  • Der E-Franken löst das grösste Problem der unkonventionellen SNB-Geldpolitik sei der Finanzkrise vor zehn Jahren. Nämlich der enorme, weiterwachsende Anteil des überschüssign SNB-Girogeldes an der Notenbankgeldmenge. (Die Notenbankgeldmenge besteht aus Banknoten und SNB-Girogeld) Vor zehn Jahren war betrug das Verhältnis Banknoten zu SNB-Girogeld ungefähr 10:1, seither hat sich dieses Verhältnis umgekehrt und beträgt etwa 1:8. 

Mit der Ausgabe von, sagen wir 250 Milliarden E-Franken auf einer SNB-Blockchain schlägt die Nationalbank zwei Fliegen auf einen Schlag. Zum einen macht die Digitalisierung der Schweizer Währungsordnung den Franken fit für direkte "Peer-to-Peer"-Zahlungen ohne Zwischenschaltung von Banken oder Kreditkarten. Und zum anderen ermöglicht die neue elektronische Geldsorte die drängende Restrukturierung der Passivseite der SNB-Bilanz.

SNB-Direktoriumspräsident Thomas Jordan verfolgt und analysiert die Entwicklungen des Digitalgeldes, steht jedoch der Idee des elektronischen Frankens kritisch gegenüber, wie er an einer Rede vor der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft am 16. Januar betonte.

Tja — Wie meinte doch der bekannte Ökonom Rudolf Strahm im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom 10. Januar 2018: «Thomas Jordan ist ein ängstlicher Mensch und scheut Reformen».